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Astaroth
Mitläufer
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Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 5314
Wohnort: where everything seems possible and nothing is what it seems

BeitragVerfasst am: 22.11.2005, 20:11 Antworten mit ZitatNach oben

Er liebt mich!

Sie ließ das Blütenblatt zu Boden segeln, wobei es sich in der Luft drehte, anmutige Pirouetten drehte und schließlich neben dem schlafenden Jüngling im Gras neben unzähligen weiteren Blüten zu liegen kam. Sie blickte durch die Äste hinab zu ihm, bewunderte sein sanftes Gesicht, auf welchem im seeligen Schlaf ein leichtes Lächeln lag. Sie fragte sich, wovon er wohl träumen mochte, und ihr sehnsüchtiges Herz hoffte, selbst einen kleinen Platz darin zu finden.

Er liebt mich nicht!

Eine weiteres schneeweißes Blättchen sank sanft und langsam ihm entgegen. Sie folgte seinem Weg, sah neidvoll, wie es sich auf seine Brust legte, die sich kaum sichtbar hob und wieder senkte. Der Wind spielte mit einer einzelnen Haarsträhne, als wollte er den jungen Mann wecken, ihn auf sie aufmerksam machen, doch er schlief seelig weiter.

Er liebt mich!

Erneut löste sie ein samtweiches Blatt und schickte es den zahllosen vorangegangenen hinterher. Auf seinem glänzend schwarzen Haar wirkte es wie eine erste Schneeflocke, die mit ihrem lautlosen Tod den Winter ankündigte. Doch diese blieb, erzählte ungehört von ihren Gefühlen und ihrer Liebe zu ihm, von welcher er nichts ahnte.

Er liebt mich nicht!

Seit einigen Tagen schon kam er hierher, legte sich unter die Schatten spendenden Äste, deren erstes zartes Grün von der schneeweißen Pracht tausender Blüten überlagert wurde. Zuweilen schlief er, aber er hatte auch immer einen kleinen Block dabei, in welchem er mit einem Stift etwas festhielt. Sie fragte sich immerzu, ob er zeichnete oder dichtete, sie versuchte angestrengt, einen Blick zu erhaschen, aber sie hatte es noch nicht geschafft. Trotzdem berührte es sie. Sie malte sich aus, was er schreiben könnte, Worte, die mindestens ebenso schön sein mussten wie er selbst, Bilder, die seine sanften Augen in sich aufnahmen und durch seine schlanken Hände zu Papier gebracht wurden.

Er liebt mich!

Spielerisch umtanzten sich zwei Blütenblätter, wiegten sich gegenseitig durch die frühlingswarme Luft, neckten sich, küssten sich in einer innigen Berührung und ließen wieder voneinander, wurden eins mit dem weißen Meer, in dem der Angebetete still auf seinen Träumen dahinglitt. Zärtlich umspielten die vom Wind emporgetragenen Blüten den schönen Körper, wogenden Wellen gleich, deren einziges Ziel es zu sein schien, ihm nur noch mehr zusätzliche Schönheit zu verleihen, ihn noch mehr zur Geltung bringen zu können.

Er liebt mich nicht!

Vögel zwitscherten in den Ästen, untermalten die Szenerie mit ihrer eigenen gefühlvollen Musik. Sie sangen von der Liebe und vom Leben, von der Schönheit und vom Frühling. Sie sog die Stimmung in sich auf, schwelgte in ihren eigenen Tagträumen, berauscht vom Anblick des Schlafenden, seines betörenden Duftes, der nur für sie alles andere, selbst die Gerüche der beginnenden Jahreszeit, zu überdecken schien.

Er liebt mich!

Einer Feder gleich schaukelte das Blatt durch die Äste hinab, hüpfte von Sonnenstrahl zu Sonnenstrahl, tanzte verträumt zur eindrucksvollen Musik, verloren in Gedanken, ließ sich vom Wind treiben und sank immer tiefer. Und sollte es nur seine Bestimmung sein, dem Jungen von ihrer Liebe zu berichten, ihm ihre Worte zu überbringen, so gab es gern sein Leben her für sie. Es jubelte im Wind, welcher seine Botschaft aufnahm und sie weiter empor trug, sie den Vögeln zuflüsterte und dem Träumenden, auf dass er ihrer gewahr werden möge.

Er liebt mich nicht!

Ekstatisch dreht sich das Blatt, gab sich ganz dem Wind auf seinem letzten Weg hin und sank erschöpft hinab, als dieser sich zu ihr begab, ihr voller Wärme Mut zuflüsterte, um dann das Blatt erneut in einen sinnlichen Tanz zu ziehen. Doch er kam zu spät. Kraftlos sank es immer tiefer, legte sich mit einem letzten Hauch seiner Botschaft auf die weichen Lippen des Jünglings in einem Kuss, bei dem sie den Atem anhielt. Er schlug die Augen auf und blickte zu ihr herauf.

Er liebt mich!

Ein Zittern durchlief sie und ein wahrer Blütenregen ging auf den gerade Erwachten nieder. Seine Augen schienen direkt auf ihr zu ruhen, doch nahm er sie nicht wahr. Er blinzelte durch die Äste in den Himmel, seine Züge waren so sanft und ruhig, als lägen die Bande des Schlafes noch immer auf ihm, als zögen weiter Traumbilder vor ihm vorbei, bestrebt, ihn wieder zu sich zu locken. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und sie wagte es nicht, sich zu rühren. Atemlos und still wartete sie, Augenblicke, die ihr wie Jahre vorkamen, vergingen. Die Worte, die nur für ihn bestimmt waren, zogen ungehört an ihm vorüber. Und er stand langsam auf und ging.

Er liebt mich nicht!

Wehmütig sah sie ihm nach. Einzig die Hoffnung gab ihr Kraft, dass er auch morgen wieder käme. Doch sie wusste, auch dann würde er nicht verstehen, er würde sie ansehen, aber ihre Liebe nicht erkennen. Vielleicht würde er sie berühren, aber nicht wissen, was sie dabei empfand.

Und so blieb der Kirschbaum wieder allein zurück, und nur die Vögel trösteten sie mit ihren sanften Melodien.
Wann hatte man auch schon jemals gehört, das ein Baum lieben kann...

_________________
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Denkt dran:
Möge die Nacht auch dunkel sein, der Morgen wird kommen und euch belästigen!
(Sam&Max)


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eulchen
verrücktes Flattervieh
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Anmeldungsdatum: 25.04.2005
Beiträge: 2688

BeitragVerfasst am: 22.11.2005, 20:15 Antworten mit ZitatNach oben

O_O *baff*
Ich find die Geschichte wirklich sehr sehr schön, mal ein wenig anders, kommt am Anfang ein wenig kitschig vor, dann auch wieder ein wenig traurig und ganz am Ende so... irgendwie... unreal... aber schön... und, ich weiß nciht, kann's nicht wirklich beschreiben, aber ich mag's wirklich sehr, gefällt mir sehr gut, vor allem, weil das Ende sehr sehr unerwartet ist...
*wirklich toll find*
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Astaroth
Mitläufer
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Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 5314
Wohnort: where everything seems possible and nothing is what it seems

BeitragVerfasst am: 22.11.2005, 20:17 Antworten mit ZitatNach oben

Hab ich in einer Stunde runtergeschrieben und nicht mehr durchgelesen,
das heißt auch nicht mehr überarbeitet...

_________________
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eulchen
verrücktes Flattervieh
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Anmeldungsdatum: 25.04.2005
Beiträge: 2688

BeitragVerfasst am: 22.11.2005, 20:18 Antworten mit ZitatNach oben

So ist's aber meist am besten... beim Überarbeiten gehn manchmal 'n paar Sachen irgendwie... verloren... weiß auch ncih...
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