Astaroth
Mitläufer


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 5314
Wohnort: where everything seems possible and nothing is what it seems
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Verfasst am:
08.10.2005, 19:50 |
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Die Treppe erstreckte sich endlos oberhalb von ihm und nach allen Seiten hin. Und überall um ihn herum kletterten zahlreiche Menschen, wie er immer weiter in die Höhe. Einige kletterten allein, andere in mehr oder minder großen Gruppen und Verbänden, neben und hinter einander. Und doch erklomm jeder ganz für sich allein die folgenden Stufen, ausgenommen der ganz Kleinen, die gestützt oder getragen von ihren Eltern den Weg hinauf begleitet wurden, doch schon bald alleingelassen auf ihrem beschwerlichen Weg.
Die Farben der einzelnen Stufen änderten sich in unregelmäßigen Abständen, mal waren sie schlicht und einfach, dann wiederum grell bunt oder mit komplizierten Mustern versehen. Mal war der Übergang sanft gleitend und nur schwer zu bemerken, wenn man nicht wusste, wonach man Ausschau hielt, manchmal bildetetn sie die schärfsten Kontraste, dass einem die Augen durch die plötzliche Umstellung schmerzten.
Er hörte die Begeisterungslaute um ihn herum, mit denen man die kunstvolle Verarbeitung und die meisterhafte Auswahl der Farben pries. Doch nicht nur die Farben änderten sich, auch die Beschaffenheit der Stufen wandelte sich permanent. Gelegentlich waren sie flach und glatt poliert, doch immer öfter wirkten sie nur allzu roh bearbeitet, waren schief, viel zu hoch und rauh, so dass man fortwährend ins Stolpern kam und sich dabei Hände und Knie aufschürfte und blutig schlug.
Im Gegensatz zu den anderen hatte er sich schon lange an den Farben sattgesehen, denn wenn man genau darauf achtete, wiederholten sie sich schon allzu bald oder unterschieden sich nur in Nuancen von schon mal dagewesenen. Und um so mehr beschäftigte er sich dafür seit einiger Zeit mit der Frage, was am Ende der Treppe auf ihn warten würde, und ob es sich lohnte, es zu erreichen, und er fragte sich, was hinter ihm liegen möge, denn dort war nur eine Wand von wogendem dunklem Nebel, die ihm unaufhaltsam folgte und immer den gleichen Abstand zu ihm hielt, egal wie langsam oder schnell er auch kletterte. Er blickte sich immer öfter um, bemüht, durch den Nebelschleier hindurch zu schauen, doch er war für seine Augen undurchdringlich. Er war auch schon einmal stehengeblieben und hatte sich umgedreht, doch der Nebel holte ihn nicht ein, er blieb, wo er war, immer einige Stufen hinter ihm. Enttäuscht hatte er schon vor langer Zeit feststellen müssen, dass niemand in seiner erreichbaren Umgebung, diese undurchsichtige Wand wahrzunehmen schien. Vielleicht wollten sie es auch nicht, genauso wenig, wie es sie interessierte, mit welchem Ziel sie immerfort kletterten. Stellte er entsprechende Fragen, wurde er ungläubig, fast angewidert, betrachtet, man redete über ihn und alsbald begann man, ihn zu meiden.
Und so war er weiter hinaufgestiegen, aber er fing an, dieses stupide Hinaufklettern zu hassen, das kein zufriedenstellendes Ergebnis in absehbarer Zeit erkennen ließ.
Wieder einmal fiel seine Aufmerksamkeit auf die ihn umgebenden Menschen, die fröhlich und in gespannter Erwartung auf einen Abschnitt neuer Farbgebung auf der Treppe über ihren Köpfen deuteten, der zwar noch in weiter Ferne lag, aber schon von jedem auszumachen war. Auch er richtete seinen Blick auf die Stelle, auf die dutzende Finger zeigten, einen Moment lang schien sein Herzschlag auszusetzen vor Spannung, er kniff die Augen zusammen, doch die Farbe unterschied sich kaum von der jetzigen, ebenso eintönig war sie, versprach keine nennenswerte Änderung in der ewigen Gleichförmigkeit. Kurzfristig abgelenkt kamen seine Beine aus dem Rhythmus, er stolperte und sein Kinn schlug hart und schmerzhaft auf einer der scharfkantigen Treppenstufen auf. Mit Tränen in den Augen richtete er sich auf und blieb enttäuscht stehen. Hätte sich vor ihm etwas Neues aufgetan, er wäre weiter geklettert, doch nun verspürte er nicht mehr das geringste Verlangen danach, zu erfahren, was am oberen Ende der Treppe liegen mochte, oder danach, die zum größten Teil ohnehin nur schmerzhaften Strapazen weiterhin auf sich zu nehmen.
Langsam drehte er sich um.
Erst jetzt wurden einige Menschen in seiner Nähe auf ihn aufmerksam, und ein lautes Murren und Schimpfen erhob sich gegen den, der es wagte, anders zu handeln, als es von ihm erwartet wurde, nämlich immer weiter mit für jeden sichtbarer Begeisterung emporzusteigen.
Doch keiner von ihnen blieb stehen.
Der Weg, der jetzt vor ihm lag, war einfacher und weit weniger beschwerlich, und er versprach im Gegensatz zum weiteren Abplagen mit den Treppenstufen etwas Neues, Interessantes.
Die Empörung um ihn herum nahm zu, jedoch unternahm niemand den Versuch, ihn aufzuhalten, und so nahm er allen Mut zusammen und trat die wenigen Stufen hinab und in den Nebel hinein, der nicht vor ihm zurückwich.
(c) Heckse ^^ |
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Denkt dran:
Möge die Nacht auch dunkel sein, der Morgen wird kommen und euch belästigen!
(Sam&Max)
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