Cornix - world auf misery
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Astaroth
Mitläufer


Anmeldungsdatum: 01.05.2005
Beiträge: 5314
Wohnort: where everything seems possible and nothing is what it seems
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Verfasst am:
03.08.2005, 15:46 |
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Die Luft wog schwer von dem süßen bedrückenden Duft der zahlreichen Blumen, mit denen die Grotte ausgeschmückt war. Flackernde Feuerzungen leckten über die Kohlen in den Feuerschalen und malten groteske Schattenbilder an die Steinwände, die sich über den Köpfen der Anwesenden zu einer natürlichen Kuppel vereinten, wodurch die Menge noch gedrängter schien und das Atmen einem auch ungeachtet der Blütendüfte und des sauerstoffverschlingenden Feuers eine erstickende fast lebensfeindliche Atmosphäre vergaukelte. Die kleine Höhle hallte wieder von einem dumpfen monotonen Sprechgesang, der die Geister der vermummten Gestalten in einem tranceähnlichen Takt wiegen ließ, sie zu einer einheitlichen Masse verschmolz, jegliche Individualität gänzlich auslöschte und die Zeit stehen bleiben ließ.
Auch sie konnte sich dem Zauber jener melodischer Worte nicht entziehen, obgleich sie die Bedeutung nicht verstand aber auch nicht verstehen wollte, wie wohl keiner, den diese Klänge in ihren Bann zogen, unerbittlich und unwiderstehlich. Die leichten Dämpfe, die aus tönernen Ölschälchen inmitten der Feuer aufstiegen, taten ihr Übriges dazu. Und doch, trotz aller benebelnden und einnehmenden Faktoren, war die Aufmerksamkeit eines jeden ausnahmslos auf denselben Punkt an der hinteren Wand der Grotte gerichtet. Von zwei Gestalten gestützt, die in weiße Kutten gehüllt waren, die Gesichter hinter einfachen weißen Masken verborgen, im Gegensatz zu den übrigen Teilnehmern dieser Versammlung, die sämtlich mit braunen Umhängen bekleidet waren, die Kapuzen weit über die Stirn gezogen, wiegte sich ein zierliches junges Mädchen zum Rhythmus des Gesanges, ihr nackter Körper bedeckt einzig durch ihr bodenlanges schneeweißes Haar, ihre Augen ausdruckslos auf einen imaginären Ort weit über ihr und der Decke gerichtet. Ihre Lippen waren zu einem entrückten Lächeln verzogen, hervorgerufen durch mindestens eine der vielen Drogen, die man ihr verabreicht hatte, die sie zusammen mit den Sprechgesängen und all den verwirrenden Nebeln in einen wachen Traum haben sinken lassen.
Hätte sie ihren Blick von der Höhlendecke zur gegenüberliegenden Wand schweifen lassen, hätte das Mädchen, in diesem Zustand, sie vielleicht wahrnehmen können, wie sie dastand, anwesend, aber für alle übrigen Augen unsichtbar. Aber das Mädchen, gerade erst aus dem zarten Kindesalter heraus, war in seiner eigenen Welt gefangen, und so blieb sie unbemerkt.
Sie beobachtete nur. Es ging sie nichts an, was die Menschen trieben, und doch interessierte es sie zuweilen, so dass sie zu ihnen stieß und sie beobachtete, sich aber selber niemals fremden Blicken aussetzte. Auch griff sie niemals in das Geschehen ein.
Mittlerweile war der Sprechgesang, fast unbemerkt, in ein lautes, ebenso monotones, vielstimmiges Summen übergegangen, dessen Intensität den Stein der Höhlenwände selbst vibrieren zu lassen schien. Zumindest kam es ihr, die sie gegen den Fels gelehnt da stand, so vor. Aufmerksam verfolgte sie das weitere Geschehen, das so vielen Ereignissen, denen sie beigewohnt hatte, glich und doch gleichzeitig so anders war.
Das weißhaarige Mädchen wurde von den beiden weißen Gestalten zu Boden gedrückt, ohne Gegenwehr ließ sie es geschehen, fernab der Wirklichkeit, unempfänglich für das Gegenwärtige, gefangen in ihrer eigenen Welt. Das bleiche Weiß ihrer Haare ließ das Mädchen wie auf Schnee gebettet daliegen, gewährte nun, da es nur noch den Boden rundherum bedeckte, jedem Blick ungehinderten Zugang zu dem ebenso bleichen schlanken Frauenkörper.
Doch sie schenkte dieser Art von Schönheit fast keine Aufmerksamkeit. Was sie einzig und allein interessierte, war nicht das Schauspiel an sich, sondern die Atmosphäre, die die unterschiedlichsten Menschen zu einem einzigen Wesen anwachsen, die einzelne Gedanken und Gefühle unwichtig werden und vergessen ließ, sie auslöschte und gleichzeitig ein neues einziges Gefühl neu erschuf, das jeden einzelnen erfüllte und durch den Gesang und die Bewegungen zum Ausdruck kam. Und doch würde er morgen verflogen sein, eine bloße Erinnerung, und jeder einzelne würde wieder seinen alltäglichen Tätigkeiten nachgehen, Brote backen, Felder pflügen oder Vieh treiben.
Allein diese Tatsache, die zeitweilige Beseitigung der menschlichen Individualität, die sich diese Art selber zusprachen, fesselte ihre Aufmerksamkeit, den Rest verfolgte sie mit den Augen.
Eine dritte weißgekleidete Gestalt, die sich bis zu diesem Moment an der Seite im Verborgenen gehalten hatte, trat nun hervor, einen schmalen reichverzierten Speer, bleich wie das Haar des Mädchens, in beiden Händen über den Kopf erhoben, das Angesicht, und damit seine Identität, ebenfalls hinter einer ausdruckslosen aber roten Maske verborgen, für alle in diesem Raum, nur für sie nicht. Sie wusste, wem sie gegenüberstand, kannte ihn, schon bevor ihr Auge in wahrgenommen hatte. Kannte ihn besser, als er sich jemals selbst zu kennen vermochte, wusste über jeden seiner Gedanken, jeden Wunsch, jede Abneigung, jedes Verlangen, das ihn jemals in seinem ganzen Leben erfüllt haben mochte, bescheid. Aber sie nahm es nur unterbewusst wahr, so wie bei jedem einzelnen der Anwesenden. Es interessierte sie nicht. Das Leben der Menschen verlief langweilig, von der Geburt an bis zu ihrem Tod. Früher einmal hatte sie sich damit beschäftigt, doch sie war dessen bald überdrüssig geworden, hatte sich anderem zugewandt, und nun stand sie hier und beobachtete, teils gelangweilt teils fasziniert.
Der Rotmaskierte legte den Kopf in den Nacken und stimmte erneut einen monotonen eindringlichen Sprechgesang an, in den sofort alle einstimmten, und während sich die Lautstärke langsam und kaum spürbar steigerte, drehte er den Speer langsam in seinen Händen, bis die silberglänzende Spitze nach unten zeigte, umfasste ihn fest mit beiden Händen und stieß ihn dann heftig und tief in die Brust des weißhaarigen Mädchens zu seinen Füßen. Ihr gellender Todesschrei ging unter in dem immer gleichförmigen, aber nicht eintönigen, Gesang, für Sekundenbruchteile aus ihrem Traum gerissen, nur um gleich wieder in einem nächsten diesmal endlosen zu versinken.
Irgendetwas änderte sich. Der gewaltsame Tod des Mädchens hatte alle um sie herum in eine Ekstase versetzt, die sie aufspringen und ihre Hände in die Höhe reißen lies, in morbider Faszination.
Doch das war es nicht. Sie spürte etwas anderes, nicht in dieser Höhle, nicht in diesem Wald. Irgendwo ging etwas vor sich, was ihrer Aufmerksamkeit viel würdiger war als diese heimliche Zeremonie irgendwelcher Menschen. Ihre Sinne erhoben sich durch das Gestein hindurch hoch in die Lüfte und ihr Körper folgte ihnen nach. Sie folgte dem Gefühl, angezogen von etwas Neuem, Interessantem, das sie mehr in seinen Bann zog, als es irgendetwas anderes in den letzten Jahrhunderten vermocht hatte.
Begierig und voller Erwartung raste sie auf das zu, was zeitgleich mit dem Tod des Mädchens entstanden war, und das sie bis jetzt noch nicht in seiner vollen Größe erfassen konnte.
(c) Heckse ^^ |
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Denkt dran:
Möge die Nacht auch dunkel sein, der Morgen wird kommen und euch belästigen!
(Sam&Max)
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Tintenklecks


Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 79
Wohnort: ~Where The Rainbow Fades To Black~
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Verfasst am:
03.08.2005, 18:47 |
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hallo Heckse, ein wirklich interessanter Text, deine verwobenen Sätze um die gedanken und gefühle die hier beschrieben werden, sind sehr schön. Das ganze schafft eine interessante leseatmosphäre... auch die thematik ist mal etwas anderes.....weiter so!
die Krähe |
_________________ "Hast du jemals gespürt wie das Herz eines Lebewesens aufhört zu schlagen?"
"Jeder, der sich die Fähigkeit erhält,
Schönes zu erkennen, wird nie alt werden."
(Kafka) |
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Amerilion
Prinz der Poeten


Anmeldungsdatum: 21.07.2005
Beiträge: 4254
Wohnort: Im Schneckenhaus
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Verfasst am:
04.08.2005, 10:58 |
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Gefällt mir der Text
Weckt irgendwie Lust auf mehr... Auch oder grade weil man den Text meiner Meinung nach viel Aufmerksamkeit widmen muss... also mit Children of Bodom hören nebenbei is nichts  |
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My Hope is on the horizon
Every face, it's your eyes i can see
I plead, i pray through each night & day
Our Embrace is only a dream.
Queens Of The Stone Age - This Lullaby
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