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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
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BeitragVerfasst am: 01.08.2005, 22:43 Antworten mit ZitatNach oben

ich hab mir gedacht, ich werd auch hier mal meine aktuelle Story posten.... ich mach das mal teil für teil...


Dunkle Begierde

Es fing alles in dieser regnerischen Nacht an. Jeal saß teilnahmslos in ihrem Zimmer. Das siebzehnjährige hübsche Mädchen, deren Eltern vor drei Jahren bei einem Unfall ums Leben kamen, starrte aus dem Fenster und beobachtete die leere und nasse Straße vor dem Haus. Doch hier war sie nicht zu Haus, dieses Haus gehörte ihren Pflegeltern, an die sie nach einem Jahr im Heim vermittelt worden war. Nette Menschen im Grunde. Die Frau, Anfang vierzig, konnte keine Kinder bekommen und Jeal war nicht das erste Pflegekind das sie zu sich genommen hatte. Sie wusste dass ihre Pflegeeltern schon mehrere Jugendliche in ihrem Alter betreut hatten. Der Mann, Mitte vierzig, war Bankangestellter, ein höfflicher Mann, mit einer gewissen Strenge, im Grunde war er in Ordnung. Doch Jeal fühlte sich keineswegs mit ihnen verbunden, sie wusste die beiden verstehen sie nicht, zuviel hatte sie in den letztens drei Jahren durchgemacht. Doch was blieb ihr schon anderes übrig als zu bleiben? Verwandte wie Onkel oder Tanten hatte sie nicht. Natürlich, sie war dankbar für dieses Heim, dennoch fühlte sie sich missverstanden und einsam. Ihre früheren Freunde hatten sie längst aufgegeben. Sie lebte nun zu weit von ihnen entfernt und 3 Jahre ohne Kontakt entfremden ungemein.
Der Regen prasselte unaufhaltsam auf den kalten Asphalt, auf dem kein Auto mehr um diese Uhrzeit fuhr. Es war kurz vor Mitternacht und in diesem Teil Stadt war es zu dieser Zeit schon sehr ruhig, selbst am Wochenende. Das fahle Licht der Straßenlaternen spiegelte sich auf der glänzenden Straße. Kein Mensch war bei diesem Wetter unterwegs. Sie blieben an dem Ort den sie zu Hause nannten. Daheim bei ihren Lieben, bei ihren Familien und Freunden. Diese Vorstellung schmerzte sie und wieder einmal wurde ihr klar, dass Einsamkeit das schlimmste Gefühl ist das es gab. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Jeden Tag suchte sie dieses Gefühl der Leere heim, besonders abends, wenn sie allein in ihrem hübsch eingerichteten Zimmer saß und nichts zu tun hatte.
Seit einem knappen Jahr ist sie mit der Schule fertig. Die mittlere Reife hat sie gerade so erreicht. Der Verlust ihrer Eltern hatte sich auch auf ihre schulischen Leistungen ausgewirkt. Nun verbringt sie die Vormittage damit, ihrer Pflegemutter bei ihrer Arbeit in einem kleinen Laden zu helfen und verdient sich so ein wenig Geld. Das früher so lebensfrohe Mädchen mit dem aufgeweckten Charakter hatte sich in den letzten drei Jahren wie verwandelt, in ein zurückgezogenes, ruhiges Wesen. Viel zu nachdenklich und melancholisch. Nur ihre neu gewonnene Liebe zur „dunklen Welt“ wie ihre Pflegeeltern es spöttisch nennen ist ihr geblieben. Die Vorliebe für alles Geheimnisvolle und mystische und der „schwarzen Kultur“, dem Gothic hat es ihr angetan.
Jeals Blicke verharrten auf den wenigen beleuchteten Fenstern der gegenüberliegenden Häuser. Zu gern träumte sie sich Minutenlang hinter diese Fenster und stellte sich vor wie sie zu den fröhlichen Familien dazugehörte, ohne Sorgen und Probleme, mit Menschen die sie Lieben.
Warme Tränen hatten sich ihren Weg durch ihre vollen Wimpern gebahnt und bildeten nun links und rechts neben ihrer zierlichen Nase schmale Rinnsäle. Die Nase, die sie von ihrer Mutter hatte, so hatte ihre Großmutter väterlicher seit immer gesagt, als sie noch lebte.
Sie ließ ihren Tränen freien Lauf und so begann das tägliche Ritual. Der Gang zu ihrem Nachttisch, das langsame Öffnen der Schublade und das entnehmen des kleinen, eckigen Metallplättchens. Der Gang zu ihrem Bett und das Hochschieben des rechten halblangen Ärmels. Sie bettete ihren unterarm auf ihre Oberschenkel und drehte die Innenseite nach oben. Jeal betrachtete eine Weile die vielen feinen Narben, die ihren kompletten rechten Unterarm zierten. Frische Narben, alte verblasste Narben. Blutige Krusten zwischen frischen Wunden.
Ein neuer Tränenschwall kam und eine einzelne Träne tropfte von ihrer Nasenspitze und traf genau auf eine frische Wunde. Die salzige Flüssigkeit entfachte einen leicht brennenden Schmerz. Jeals war dieses Gefühl gewöhnt, das war schon oft passiert. Zögernd setzte sie die Rasierklinge an, die sie ihrem Pflegevater geklaut hatte und schnitt sich ins Fleisch. Ein kleiner und flacher Schnitt. Die siebzehnjährige beobachtete mit tränengefüllten Augen, wie
das Blut langsam hervortrat. Auf diesen Augenblick wartete sie jedes Mal gebannt und empfand es wie eine Erlösung. Schmerz spürte sie schon lange nur noch in Maßen, der Schmerz der ihre Sinne schärft, ihr die seelische Last wenigstens für einen Moment nimmt. Und ihr für kurze zeit Wärme schenkt. Das Blut sammelte sich auf dem Schnitt an und ergoss sich letztendlich in einem Rinnsal, ihrem Arm entlang. Der Kontrast zu ihrer blassen Haut, fast weiß faszinierte sie jedes Mal. Diese roten Linien empfand sie als wunderschön. Jeal atmete einmal tief ein und wieder aus und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand ihres Kopfendes zurück. Die Beine angewinkelt, den Blutenden Arm auf ein Knie gestützt. Die Klinge noch immer in der linken Hand. Sie wusste, keiner würde sie um diese Uhrzeit stören. Sie wusste keiner würde es bemerken wenn sie ihre Schnitte tiefer setzte. Wenn sie auf ihrem Bett liegen würde, mit offenen Pulsadern und trüben Blick, der sich nur nach Erlösung sehnte. Weg von seelischem Schmerz und der Leere in ihrem Leben. Wie Oft hatte sie sich ihr Ende so vorgestellt. Zweifelnd ob sie es tun sollte oder nicht. Es wäre so wie immer, ein Schnitt, nur tiefer und präziser. Der Rest ginge von allein, bis man das Bewusstsein verliert.
Nochmals setzte sie die Klinge an. Diesmal etwas näher dem Handgelenk. Nochmals das erlösende Bild ihres eigenen Blutes, das lautlos aus der Wunde sickert und in Rinnsälen ihren Arm entlangläuft. Das war ihr tägliches Ritual.
Minutenlang hängt Jeals Blick starr und trüb auf den blutenden Wunden. Bis er wie in Trance auf die gegenüberliegende Wand abdriftet. Ihre Tränen trocknen langsam auf ihren Wangen.
Dieses Zimmer war ihr wie immer so fremd. Sie wollte hier nicht sein, wollte weg, doch wohin? Die Wände erdrückten sie, schrieen auf sie ein, dass sie hier fremd sei. Jede Nacht das gleiche und es würde nie enden. Tausend negative Gefühle auf einmal und alle in einem Menschen vereint. Zur Last einer Siebzehnjährigen.
Als die Wunden fast aufgehört hatten zu bluten, öffnete sie die Schublade ihres Nachttisches erneut und zog ein Taschentuch hervor, mit dem sie das Blut von der Klinge wischte und diese an ihren Platz zurücklegte zusammen mit dem rot befleckten Tuch. Das Blut an ihrem Arm ließ sie dort. Mühsam und etwas wankend stand sie auf, ihr war schwarz vor Augen. Schon seit langem hatte sie Kreislaufprobleme. Für einen Moment stütze sie sich an der Fensterbank und wartete ab bis sie wieder klar sehen konnte. Auch an dieses Gefühl, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren, hatte sie sich mittlerweile gewöhnt, wie an den Schmerz beim Ritzen, den sie jedoch nur noch abgeschwächt wahrnimmt.
Langsam richtete sie sich wieder auf, sie wollte nur noch raus. Sie wollte nicht mehr an ihre Probleme denken. Sie Steckte ihren Schlüssel ein. Ihre Pflegeeltern schliefen schon, sodass Jeal leise aus dem Zimmer ging und lautlos die Tür hinter sich schloss. Sie ging zum Badezimmer und öffnete den Spiegelschrank, der über dem Waschbecken hing. Instinktiv griff sie sofort nach dem was sie suchte. Schlaftabletten, sie wollte sich damit nicht umbringen, aber eine erhöhte Dosis würde vielleicht reichen um auf andere Gedanken zu kommen, einer Droge gleich.
Ein Becher fürs Zähneputzen diente ihr als Glas, den sie mit Leitungswasser füllte. Schnell schluckte sie drei Tabletten hintereinander und ignorierte den widerlichen Geschmack des Wassers.
Sie verstaute die Tablettenpackung wieder in dem Schrank und schloss ihn, sodass sie ihr eigenes Spiegelbild sah. Einen Moment lang betrachtete sie sich darin, doch manchmal erkannte sie sich kaum. Sie knipste das Licht aus und huschte so leise es ging die Treppe hinunter zur Haustür.

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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
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BeitragVerfasst am: 04.08.2005, 20:45 Antworten mit ZitatNach oben

ich poste einfach mal weiter...


Endlich war sie draußen und es regnete noch immer in Strömen. An eine Jacke hatte sie nicht gedacht. Die Schwarze Hose mit den Silberschnallen legte sie wie eine zweite Haut an Jeals Beine. Ihre Kette mit dem silbernen Kreuzanhänger, war benetzt von Regen. Und die eingesetzten schwarzen Steine funkelten im Licht der Laternen. Ihr dünnes schwarzes Oberteil klebte schon nach einer Minute an ihrem Körper und gab aufgrund der halblangen Ärmel ihren blutigen Arm frei. Der Regen weichte das geronnene Blut wieder auf und erneut zeichneten sich blasse rote Fäden über ihren Arm ab. Doch Jeal war das egal, sie machte sich nix aus dem Regen und aus der leichten Kälte der Sommernächte. Sie stand jetzt mitten auf der unbefahrenen Straße, warf einen langen Schatten und ließ den Regen über ihr Gesicht laufen. Niemand würde jetzt ihre Tränen sehen, der Regen fällt und wäscht sie unbemerkt weg.
Die kühle Nachtluft spürte sie nicht, fühlte sich wie taub. Langsam ging sie die Straße entlang bog mal links ab, mal rechts und wusste nicht wo sie ihre Füße hinbringen werden. Gedankenlos. Sie fand einen leicht überdachten Hauseingang. Er gehörte zu einem alten Mietshaus, dessen Tür war aus schwerem, altem Holz und übernormal groß. Sie stieg mit schweren Schritten die zwei Stufen hoch und ließ sich langsam mit dem Rücken an der klammen und kalten Wand hinunter gleiten. Zusammengekauert hockte sie da, die Beine angewinkelt, und noch einmal betrachtet sie die frischen Wunden auf ihrem Arm. Bis sie diese vor dem Bauch verschränkte. Ihre Pflegeeltern wussten davon, doch helfen konnten sie ihr nicht. Jeal wusste, dass sie allein es war, die sich aus diesem Teufelskreis retten konnte. Das orangerote Haar war vom Regen dunkel gefärbt, in Strähnen an ihrem Gesicht klebend. Einige dünne Strähnen hingen vor ihren Augen, doch das störte sie nicht. Sie störte im Moment gar nichts mehr, die Schlaftabletten zeigten erste Wirkung. Mit vernebeltem Blick schaute sie über die leere Straße. Hin und wieder fielen ihr die Augen zu. Das Kratzen in ihrem Hals ließ sie husten. Es wäre ihr egal wenn sie heute Nacht krank werden, oder wenn sie heute Nacht an diesem Hauseingang sterben würde, an den Folgen der erhöhten Tablettendosis, der Kälte, der Einsamkeit.
Das Atmen begann ihr schwer zu fallen. Sicher würde sie heut Nacht krank werden. Das Geräusch des Regens, der auf die Straße, die Häuser und die am Straßenrand geparkten Autos prasselte, drang laut an ihr Ohr. Und ihre Augenlider wirkten so schwer. Sie wollte schlafen, nichts weiter als schlafen. Den Regen, der mittlerweile etwas nachgelassen hatte, vergessen, das unangenehme Gefühl der kalten und nassen Kleider an ihrer Haut und überhaupt alles. Mühsam hielt sie die Augen offen und sah die leere Straße abermals entlang. Doch was war das? Stand da nicht jemand? Jeal meinte sich die dunkle Gestalt auf der anderen Straßenseite nur eingebildet zu haben. Wieder fielen ihr die Augen zu. War da wirklich jemand? Sie öffnete mühsam die Augen und blickte hinter nassen Haarsträhnen hervor auf die Straße. Tatsächlich, ungefähr fünfzehn Meter entfernt stand hinter parkenden Autos eine Gestalt. Der Größe nach zu urteilen war sie männlich. Der Strömende Regen hatte sich in einen feinen Nieselregen verwandelt. Für ein paar Sekunden war Jeal wieder eingenickt. Als sie wieder aufsah hätte sie sich erschrecken müssen, doch sie regte sich nicht. Der Fremde, nun deutlich als Mann erkennbar, stand direkt vor ihr. Er trug einen schwarzen Anzug und einen schwarzen Umhang darüber, der vom Regentropfen benetzt war. Jeal bemerkte trotz ihrer Müdigkeit, als der Fremde sich vor sie hockte, dass er einen Zylinder trug und einen schwarzen Gehstock mit sich führte und der heutigen Zeit mit seiner Kleidung nicht angepasst war. Jeal vernahm eine Stimme. Sie gehörte ihm und war ruhig und sanft. „Hey Mädchen!“ Jeal ließ den Kopf hängen. Sie war zu müde. „Hey Mädchen, was machst du denn hier draußen bei dem Wetter? Es ist Spät!“ Wieder erklang seine ruhige Stimme. Der Fremde strich ihr vorsichtig ein paar Strähnen aus dem Gesicht um sie besser sehen zu können. „Du erkältest dich noch!“ Jeal sah ihn einen Moment lang an und bemerkte sofort seine strahlendblauen Augen und sein junges Gesicht. Um so mehr wunderte sie sich über seine langen, glatten grausilbernen Haare. Sie hustete. Der Junge Mann sah, dass es ihr nicht gut ging. Er stand auf und zog sie mit sich auf die Beine. Jeal wankte und war kaum ansprechbar. Die Schlaftabletten wirkten und zwar gut. Der Fremde merkte, dass sie nur ein dünnes Oberteil anhatte und so nahm er sie mit unter seinen Umhang, deren Innenseite aus rotem Satin bestand und stütze sie so gut es ging, da ihre Knie einzuknicken drohten. Jeal hätte sich instinktiv dagegen wehren müssen, doch dazu war sie nicht in der Lage, sie war diesem fremden, merkwürdigen Kerl in ihrem Zustand ausgeliefert. Völlig benebelt und abwesend setzten sich ihre Beine in Bewegung, völlig ahnungslos wohin, ging sie mit dem fremden Mann mit. „Komm, ich bring dich ins Warme.“ Vernahm Jeal leise seine Stimme. Wärme, ja das wollte sie jetzt. Einen Ort wo es trocken und warm ist und wo man schlafen kann.

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BeitragVerfasst am: 04.08.2005, 20:59 Antworten mit ZitatNach oben

weiter weiter weiter!

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BeitragVerfasst am: 04.08.2005, 21:29 Antworten mit ZitatNach oben

hab das gefühl, als seist du hier mein einziger leser !^^

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BeitragVerfasst am: 04.08.2005, 21:30 Antworten mit ZitatNach oben

ich entschuldige mich dafür, aber ich hab momentan kaum Zeit, aber ich werds nach dem Update lesen ^^

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BeitragVerfasst am: 14.08.2005, 22:49 Antworten mit ZitatNach oben

so ich werd mal den nächsten teil extra für schattenläuferin posten...aber auch für alle anderen die noch im verborgenen lesen^^


Jeal wachte auf. Sie nahm eine angenehme Stille war und es war warm. Wo war sie? Mühsam versuchte sie ihre Augen aufzuhalten, die Müdigkeit schien noch immer in ihren Knochen zu stecken. Endlich schaffte sie es ihre Augen offen zu halten und zum ersten Mal nahm sie ihre Umgebung war. Sie war nicht zu Hause in ihrem Zimmer. Jetzt kamen ihre Erinnerungen an die letzte Nacht wieder. Der Regen, der Hauseingang und der fremde merkwürdige Mann. Doch wie sie hergekommen war wusste sie nicht mehr. Sie lag in einem großen Bett mit weißen Bettzeug und einem antik aussehendem Gestell aus Holz. Plötzlich bemerkte sie etwas an ihrem rechten Arm. Als sie an ihm hinunter sah, fiel ihr ein weißer Verband auf, der ihren ganzen Unterarm umhüllte. Das überraschte sie nun wirklich und ihr kam wieder der Unbekannte in den Sinn.
Langsam setzte sie sich auf und ließ ihren Blick schweifen. Sie befand sich in einem merkwürdigen Raum, in dem man weder klare Ecken noch Rundungen erkennen konnte. Es roch noch Holz und nach Papier, altes Papier. Überall in diesem Raum standen Bücher. Eins neben dem anderen und bei genauerem Hinsehen stellte Jeal fest, dass der ganze Raum fast nur aus Bücherregalen aus altem Holz bestand. Dieser Raum hatte etwas Faszinierendes an sich. Jeal stand langsam auf und bekam wieder einen ihrer Kreislaufschwächen, erholte sich jedoch schon nach wenigen Sekunden davon. Ihre Schuhe standen neben dem Bett. Und ihre Haare waren an einigen Stellen noch etwas klamm und hingen in Strähnen an ihrem Kopf. Fast ehrfürchtig ging sie in den Teil des Raumes dessen Decke um einiges höher war als der, in dem das Bett stand. Jeal hatte das Gefühl sie befände sich in einer alten Bibliothek aus einem vergangenem Jahrhundert. An die tausende Bücher schätzte Jeal und sie alle waren keineswegs aus der modernen Zeit. Die Einbände waren alle samt alt, Bücher wie aus alten Filmen. Der Raum hatte eine Höhe von circa sechs Metern und war in zwei Etagen eingeteilt. Die siebzehnjährige entdeckte eine hölzerne Treppe, die hinauf in die zweite Etage führte, von der aus man rings um den ganzen Raum gehen und in den unteren Bereich des Raumes schauen konnte und zwei offene Durchgänge in hintere Räume dieses Hauses führten. Das Geländer, welches an diesem Rundgang angebracht war, war natürlich wie alles hier auch aus Holz und zeigte ein schönes Rankenmuster. Feinste Handarbeit. Links von ihr befand sich eine riesige Fensterfront so hoch wie der Raum selbst. Sie gab die Sicht auf einen dichten alten Wald frei. Einen Wald der so aussah als hätte ihn noch kein Mensch jemals betreten. Die Bäume lagen im leichten Nebel, es war früh morgens. Jeal konnte das dichte Moos auf dem Waldboden erkennen, taubedeckt und saftig grün. Sie wäre am liebsten hinausgegangen und barfuss durch diesen Wald gerannt, wie eine Elfe. Der richtige Wald um sich Elfen vorzustellen, dachte das Mädchen.
Doch diesen Wald hatte sie noch nie gesehen und schon gar nicht in der Stadt, wo war sie nur?
Sie wandte sich wieder dem Raum zu. Die Wände waren bis an die Decke mit vollen Bücherregalen gefüllt. Jeal sah sich die Bücher genauer an, zumindest die die halbwegs auf Augenhöhe waren. Und sie stellte etwas Erstaunliches fest. Die Bücher handelten hauptsächlich von mystischen Sachen. Neben ganzen Chroniken von Vampiren gab es Bücher über das Mittelalter, Hexen, alte Bräuche, dann eine ganze Sammlung über Magie. Im nächsten Regalabschnitt fand sie Bücher über den Teufel, einige schienen so alt, dass sie fast auseinander fallen würden. Man traute sich gar nicht diese wertvollen Schätze zu berühren. Die größtenteils goldenen und schwarzen Lettern, die die Bücher auf den Einbänden betitelten waren teilweise nicht mehr ganz zu lesen. Wurden im Laufe der Zeit abgenutzt. Jeal versuchte das Alter einiger Bücher zu schätzen doch ihre Vorstellungskraft reichte nicht über hundert Jahre hinaus.
Bücher über Mythologie und Fabelwesen fand sie direkt neben Bücher über Engel. Jeal hatte das Gefühl alle diese Bücher würden sich mit Themen dieser Art beschäftigen und sie musste zugeben wirklich angetan davon zu sein, sie hätte nicht gewusst wo sie zuerst anfangen sollte zu lesen. Sie entdeckte einen weiteren Teil des Raumes der eine flachere Decke hatte und einen offenen Durchgang, der einen in ein anderes Zimmer führte.
Als sie sich umdrehte und zum Bett sah, in dem sie noch vor ein paar Minuten seelenruhig geschlafen hatte, sah sie links daneben eine große dunkle Tür aus Massivholz, eine Pforte konnte man schon fast sagen, wie man sie aus Schlösser oder ähnlichem kennt. Auf dem Boden des Raumzentrums in dem sie sich grad befand lag ein Kreisrunder Teppich. Ein altmodisches Muster aber zum Raum passend. Erst jetzt fiel ihr der große antike Schreibtisch auf, der an der Fensterfront stand, mit blick in Richtung Wald. Es musste wunderbar sein dort zu sitzen mit einem Buch und zu lesen, ab und zu den Blick hinaus werfen um sich dann wieder in einer Welt der Fantasie zu verlieren. Jeal wusste zwar nicht wo sie war, weder wer der Mann war der sie her gebracht hatte und was noch passieren würde, doch sie fühlte sich wohl an diesem fremden Ort. Es schien als wäre man in der Zeit zurückgegangen und befände sich mitten im siebzehnten oder achtzehnten Jahrhundert. Ihr Blick fiel auf das antike dunkle Ledersofa , welches sich rechts neben ihr vor einem Regal befand, daneben etwas freier im Raum stehend, ein ebenso antik anmutender Globus, der weder die typischen Farben unserer Erde, Grün und Blau, zeigte. Stattdessen harmonierten beige und braune Farben miteinander. Und so passte dieses Stück zum Gesamtbild des Raumes. Noch mal blickte sie zu dem Durchgang, der sich rechts neben ihr befand und den eingeschränkten Einblick in ein weiteres Zimmer darbot. Neugier hatte sie gepackt. Was verbarg sich in diesem Zimmer wohl? Noch eine ebenso faszinierende kleine Welt? Doch es gehörte sich nicht in fremden Häusern herumzuschnüffeln und schon gar nicht wenn man den Besitzer nicht mal kannte. Doch wo war eigentlich dieser mysteriöse Besitzer dieses Anwesens? Jeal schätzte dass man dieses Gebäude schon Anwesen nennen kann, denn das was sie sah schloss darauf, dass dieses Haus sehr groß und alt und vor allem wertvoll war.

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BeitragVerfasst am: 21.08.2005, 12:17 Antworten mit ZitatNach oben

soll ich noch weiterposten Frage

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BeitragVerfasst am: 25.08.2005, 21:30 Antworten mit ZitatNach oben

ja!

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BeitragVerfasst am: 25.08.2005, 21:32 Antworten mit ZitatNach oben

von mir auch ein eindeutiges JA, auch wenn ich immer noch nicht zum Lesen gekommen bin (aber am UBB vergesse ich es ja noch viel eher *g*)

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BeitragVerfasst am: 26.08.2005, 13:15 Antworten mit ZitatNach oben

na gut , dann werd ich mal weiterposten !

@misy: bald kommste net mehr hinterher^^


Jeal stand da und traute sich kaum sich zu bewegen, was sollte sie nun tun? Sie fragte sich ob es angemessen war sich auf dieses hübsche alte Sofa zu setzen. Ein Buch aus den Regalen zu nehmen, käme nicht in Frage. Sie schienen ihr zu wertvoll.
„Du bist aufgewacht.“ Jeal fuhr erschrocken zusammen, langsam drehte sie sich um und sah den jungen Mann mit dem grausilbernen Haar am Geländer der zweiten Etage stehen, auf sie hinabblickend. Sie konnte seinen Blick nicht recht deuten, er schien entspannt und freundlich doch zugleich auch etwas kühl. Jeal sagte nichts. Sie sah ihn nur an. „Ich dachte schon du würdest nicht mehr aufwachen.“ Seine Stimme war beherrscht von unendlicher Ruhe und Sanftheit. Dann drehte er sich in Richtung Treppe. Elegant schritt er die hölzernen Stufen hinunter und sein Gehstock, den er wieder mit sich führte erzeugte ein rhythmisches Geräusch beim Aufsetzten. Der junge Mann stand Jeal nun mit einigem Abstand gegenüber und sie musterte ihn genau. Er war jung, doch wozu der Gehstock? Als schien der Unbekannte ihren Blick zu deuten sagte er mit einem leichten Lächeln: „Eine kleine Angewohnheit dieser Gehstock. Ich bräuchte ihn nicht, aber er ist doch ein sehr schönes Accessoire.“ Er hielt das gute Stück ein wenig von sich weg und gab die Sicht auf den silbernen Totenkopf frei, der am Oberen Ende als „Griff“ diente. Seine stechend blauen Augen fixierten das junge Mädchen und er bemerkte ihren musternd neugierigen und doch scheuen Blick. Er ließ sie gewähren und sagte vorerst nichts. Jeal betrachtete seine Kleidung, wieder ein schwarzer eleganter Anzug, diesmal ohne Umhang. Darunter trug er ein weißes Hemd. Er war Gut gebaut, und groß. Seine Haare hingen weich über seine Schultern. Die Farbe irritierte sie noch immer. Sie schätzte den Fremden auf ein Alter zwischen fünfundzwanzig und dreißig. Warum eine grausilberne Färbung? Sie war nicht natürlich, ganz sicher, aber warum diese Farbwahl? Doch sie musste zugeben es stand ihm gut. Seine Gesichtszüge waren passend, markante Kieferknochen, einen schmalen Mund. Er hatte durch und durch eine männliche Erscheinung. Von der Kleidung bis hin zu seinen faszinierenden Augen passte alles und doch schien er nicht von dieser Welt, oder nicht aus dieser Zeit. Wer war dieser Mann? Er erinnerte an einem Gentleman mit gutem Benehmen, höfflich und gebildet.
Der Fremde ging zu seinem Schreibtisch und zog den Stuhl vor, er deutete Jeal mit einer Handbewegung auf dem Sofa platz zunehmen. Als sie sich setzte, setzte auch er sich. Er saß bequem in seinem gepolsterten Schreibtischstuhl und sah Jeal an. „Was auch immer du letzte Nacht genommen hast, es hätte dich fast umgebracht. So machte es zumindest den Anschein, auf dem Weg hierher, bist du mehr bewusstlos gewesen als klar bei Verstand. So einen tiefen Schlaf wie du heut Nacht, hatte ich in meinem Leben noch nie.“ Jeal wich für einen Moment seinem Blick aus und sah wieder den weißen Verband. „Ich hielt es für Besser, deine Wunden zu versorgen.“ Sagte er leise und bestimmt. Das Mädchen räusperte sich und sah ihn scheu an. „Danke“ war das erste Wort, das sie hervor brachte. „ Für was der Dank? Deine Wunden zu versorgen, war für mich selbstverständlich. Noch dazu hätte ich dich niemals bei dem Wetter und in deinem Zustand letzte Nacht da draußen lassen können.“
Jeal wunderte sich, dass er nicht nach dem Grund für ihren Zustand fragte. Ein Gentleman eben. „Deine Eltern machen sich sicherlich Sorgen, ich sollte dich langsam nach Hause bringen!“ „Ich habe keine Eltern, nur Pflegeeltern“ erklärte Jeal leise. Der Fremde sah sie aufmerksam an. Wieder dieser nicht genau definierbare Blick. „Dann bringe ich dich zu ihnen!“ Keine Worte des Beileids der der Entschuldigung. Nicht das Jeal das unhöflich fände, aber sie war es gewöhnt von Menschen die dies nicht wussten. Der Unbekannte machte sie darauf aufmerksam, dass ihre Schuhe neben dem Bett stünden. Jeal zog sie an, warf nochmals einen Blick durch den Raum und folgte dem Jungen Mann durch die große dunkle Pforte neben dem Bett. Sie führte in eine Art Eingangshalle, die sehr imposant war. Auch hier war alles sehr Antik, wertvolles Holz soweit das Auge reichte. Doch die Wände waren hier nicht mit Bücherregalen verstellt. Sie bestanden aus Stein, einer alten Burg gleich. In einer Ecke entdeckte Jeal eine alte, gut erhaltene Ritterrüstung, wie in einem Film. Der Mann sah ihre bewundernden Blicke und lächelte leicht, ohne dass sie es bemerkte. Er ging zu einer kleinen Garderobe neben der Eingangstür und nahm seinen schwarzen Zylinder, den er sogleich auf seinem Kopf platzierte. „Junge Dame, ich wäre soweit.“ sagte er freundlich. Jeal musste lächeln, mit Dame hatte sie noch nie jemand angesprochen. Dieser Mann war ihr einfach ein Rätsel, allerdings ein ziemlich Sympathisches.
Er öffnet die große und hohe Eingangstür und ließ Jeal hinaustreten. Sie trat ein paar Schritte vom Haus weg und dreht sich um. Sie stand vor einem mindestens dreihundert Jahre alten zweistöckigen Gebäude. Gemauert aus Stein, mit großen Fenstern und einem dunklen Dach.
Jeal war begeistert. Ob der Fremde das bemerkte?
Er sah ihren Blick, der Anflug eines Lächelns huschte über seine Lippen. Er trat neben sie und wartete bis sie bereit war zu gehen. Als Jeal sich umdrehte sah sie auf einen großen kreisrunden Kiesplatz, in der Mitte war ein ebenso rundes Blumenbeet angelegt. Sie erkannte sofort weiße Lilien. Wunderschöne Blumen, fand Jeal. Totenblumen, wurden sie auch genannt. Sie schmückte Trauerfeiern und Särge und ihr gefiel dieser Gedanke.
Die beiden gingen zu Fuß und das junge Mädchen hatte keine Ahnung wo sie sich befand, das Anwesen musste außerhalb der Stadt liegen. Sie durchquerten einen kleinen Wald, erreichten die ersten kleineren Häuser und befanden sich nach circa zwanzig Minuten in der Stadt. Während des ganzen Weges schwiegen die beiden. Nur das Geräusch des auf dem Boden aufsetzenden Gehstocks durchbrach im Rhythmus das Schweigen. Mit dieser Umgebung war Jeal vertraut, ihre Straße lag nur noch zwei Blocks entfernt, als sie anhielten. „Vielleicht sollte ich dir von hier aus allein gehen lassen, es würden nur unnötige Fragen aufkommen wenn dich deine Pflegeeltern mit mir zusammen sehen.“ Jeal nickte. Der Unbekannte wandte sich um. Jeal sah ihm nach, sie konnte ihn doch nicht einfach so gehen lassen, sie wusste nicht mal seinen Namen. „Werde ich sie wieder sehen?“ rief Jeal, all ihren Mut zusammen nehmend. Der Fremde blieb stehen und drehte sich um. Eine Weile sah er sie an. „Wer weiß, ich halte nichts für ausgeschlossen. Aber nun geh lieber rein, bevor du vermisst wirst.“ Seine Stimme klang wieder so ruhevoll. Warum hatte sie ihn das gefragt? Wollte sie ihn denn wieder sehen? Ja, er hatte mit seiner Art und seinem Aussehen ihre Neugier geweckt. Er hatte etwas Geheimnisvolles an sich und genau das liebte sie doch so.

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BeitragVerfasst am: 26.08.2005, 19:57 Antworten mit ZitatNach oben

weiter^^

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BeitragVerfasst am: 18.09.2005, 20:29 Antworten mit ZitatNach oben

Jeal schlich ins Haus, alles war still. Leise schritt sie die Treppe hinauf und ging in ihr Zimmer. Das Erlebte hatte sie mitgenommen, doch an Schlaf war jetzt nicht zu denken.
Sie zog ihre Schuhe aus und setzte sich auf ihr Bett. Die Beine angewinkelt und die Hände auf den Bauch gebettet dachte sie nach. Zumindest an das woran sie sich noch von letzter Nacht erinnern konnte. Der Fremde auf der anderen Straßenseite, sein sanfter und sorgenvoller Blick als er vor ihr hockte. Der Regen, die Kälte, an mehr konnte sie sich nicht erinnern. Aber wer war dieser Mann? Warum hat er sich so um sie gekümmert? Sie war doch nur ein armes labiles Mädchen und er? Er war ein Gentleman durch und durch, zumindest war das Jeals erste Eindruck von ihm. Seine merkwürdige doch interessante Erscheinung ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Noch eine Weile saß sie da, dachte nach und grübelte. Erst das dumpfe Geräusch der Rollladen, das vom Schlafzimmer ihrer Pflegeeltern ausging, ließ sie aus ihren Gedankenwirrwarr auftauchen. Ihr wurde bewusst, dass sie noch die gleichen Sachen wie vom Vortag trug und ihre Haare waren völlig verknotet. Schnell zog sie sich um, kämmte ihr Haar sorgfältig und nahm den Verband von ihrem Arm ab. Konnte sie diese Sache so einfach vergessen? Jeal war zu nichts mehr in der Lage außer an den fremden Schönen zu denken. An sein Haus mit der Büchersammlung, der Panoramablick auf den alten Wald.
Wie jeden Samstag gab es erst spät Frühstück. Ihre Pflege Mutter begrüßte sie freundlich, ihr Pflegevater saß am Küchentisch und las Zeitung. Der gewohnte Ablauf, Tag für Tag, konnte das alles sein? War das wirklich schon alles in ihrem Leben? Jeal bezweifelte das, zumindest hoffte sie es wäre anders. Sie sprach kein Wort während des Essens, doch das tat sie öfters und so fiel ihr Schweigen nicht auf.
Der Tag senkte sich zu neige. Es war kurz vor Mitternacht als Jeal an ihrem Schreibtisch saß, bei dem schwachen Licht ihrer Nachttischlampe, welches das ganze Zimmer in einen Hauch von goldorange hüllte. Sie starrte vor sich hin, wie eine leere Hülle saß sie da. Reglos in Gedanken versunken. Draußen begann es zu regnen, nur leicht, doch das Geräusch des Regens, der an ihre Fensterscheibe prasselte, ließ sie aus ihrer Trance erwachen. Langsam wanderte der Blick des jungen Mädchens zu ihrer Uhr. Die Erinnerungen an letzte Nacht kamen wieder hoch, der Regen, die Kälte und sein Blick. Seine hellen, stechenden und doch so unbeschreiblich sanften Augen. Wo war dieser Mann nun und verdammt noch mal warum ließ er sie nicht mehr los? Jeal wusste keine Antwort. Doch sie stellte fest, dass ihr dieses Ungewisse gefiel.
Leise stand sie auf und ging zu ihrem Fenster. Ihr Blick schweifte über die leere Straße, auf der Suche nach ihm, der dunklen Gestalt mit Zylinder und Gehstock. Sie wusste schon bevor sie zum Fenster trat, das sie ihn dort nicht finden würde. Doch sie wollte sichergehen, dass er nicht irgendwo dort unten stand und auf sie wartete. Warum sollte er auf sie warten? Jeal schüttelte über sich selbst den Kopf, was für ein Schwachsinn. Ihre Gedanken spielten anscheinend verrückt. Jeal schaute zu ihrer Schreibtischschublade, sie wusste was dort verborgen lag. Das kleine Silberding, welches ihr Nacht für Nacht Erlösung schenkte. Ihre Augen hafteten an der Schublade und nahmen wieder diese Leere an. Sie wollte wieder das kalte Metall an ihrer Haut spüren, um die Wärme des Blutes zu fühlen, welches aus ihrem Körper hervordringen wollte. Doch warum zögerte sie noch? Ein Griff, ein simpler Schnitt und dann die Entspannung.
Doch Jeal schnitt sich in dieser Nacht nicht, das erste Mal seit langem.
Sie schlief lang, stand auf und half im Haushalt. Sie hatte nie wirklich etwas zu tun, so ganz ohne Freunde, der Job bei ihrer Pflegemutter war ihre einzige richtige Beschäftigung. Immer wieder ertappte sie sich während des Tages dabei wie sie aus ihrem Fenster schaute, mit einem fast hoffnungsvollen Blick. Doch der den sie erhoffte zu sehen, war nie da.
Am späten Nachmittag stand ihr Entschluss fest. Sie wollte an den Ort zurückkehren, der sie so verzaubert hatte. Ob sie dorthin zurückfinden würde, wusste sie nicht genau aber dennoch machte sie sich auf den Weg. Schnell ließ sie die Stadt hinter sich, die moderne Welt, tauschte sie gegen den kleinen Wald, durch den sie mit ihrem fremden Begleiter gegangen war, als sie nach Hause kam.
Etwas Undefinierbares schien sie zu treiben und zu leiten. Bis sie endlich vor dem prachtvollen Anwesen stand, welches sie vor kurzem beherbergt hatte. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen. Hoffentlich war er da, und was sollte sie jetzt tun? Einfach anklopfen an die riesige hölzerne und mit eisen beschlagenen Pforte? Das Klopfen würde sich in den alten Mauern zu einem lauten Donnern erheben. Jeal stieg die wenigen Stufen empor, die sie zur Eingangspforte hinaufführte. Sie hielt inne, bis sie ihre rechte Hand vorsichtig auf die Tür legte und einen leichten Druck ausübte. Die schwere Pforte war tatsächlich nicht verschlossen. War das Absicht? Wusste er dass sie zurückkommen würde?
Jeal besann sich. Sollte sie einfach so unerlaubt eintreten?
Keine Minute später drückte sie mit samt ihrem Körpergewicht die Pforte auf und war überrascht wie nahezu geräuschlos dies ablief. Sie hätte ein lautes Geräusch wie ein Knarren erwartet, doch nichts. Ganz leise Geräusche konnte sie nur vernehmen.
Die Eingangshalle lag in einem positiven halbdunkel, Lichtkegel fielen zwar durch große Fenster, doch das Gemäuer ließ die halle dunkel wirken, dunkel und kühl…jedoch angenehm und ihr kamen bei dem Gedanken blitzartig wieder seine Augen in den Kopf, auch sie wirkten kühl, undefinierbar. Doch wo war er überhaupt?
Sie stand in der Mitte der Eingangshalle und sah direkt auf eine große, weite, steinerne Treppe, die in das zweite Stockwerk hinaufführte und deren Stufen ein gemusterter teppisch zierte. Ein Gang führte dort oben nach rechts der andere nach links. Dort oben würde er seine Gemächer haben, dachte sich Jeal, vielleicht noch mehr Bücher. Die Neugier in ihr kam auf, doch sie würde nie an diesem Ort ungefragt herumstöbern.
Plötzlich nahm sie ein dumpfes Geräusch war, dass sie erschreckte. Die Pforte hatte sich von selbst geschlossen. Ihr Blick wanderte nun durch die Halle. Sie fühlte sich wieder zurückversetzt, in vergangene Jahrhunderte, so gut wie nichts erinnerte an das einundzwanzigste Jahrhundert. Die alte Rüstung, stand reglos und verlassen da, doch mit ein wenig Fantasie konnte man sich vorstellen wie sie jede Sekunde mit einen metallenen Scheppern durch den Raum schritt. Jeal lächelte erneut. Sie fühlte sich so wohl hier, obgleich sie wusste, dass sie hier ungebeten eingetreten war, noch dazu, dass sie den Besitzer im Grunde gar nicht kannte. Aber sie lächelte und das passierte bei ihr äußerst selten. War er da heim? Er musste es sein, denn warum würde seine Einganstür dann offen sein? Jeal traute sich kaum einen Schritt zu machen, aus Angst er würde sie hören. Doch das wollte sie doch eigentlich. Diese Gefühle ergaben einfach keinen Sinn.
Jeal sah sich um. Wusste er dass sie hier war? Und war es Einbildung, dass sie sich beobachtet fühlte?

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BeitragVerfasst am: 25.09.2005, 11:30 Antworten mit ZitatNach oben

*lächel* jetzt schreibs chon weiter..

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BeitragVerfasst am: 24.10.2005, 13:07 Antworten mit ZitatNach oben

hab auch mal wieder hierher gefunden....vielleicht liest ja noch jemand weiter...



Das alte Gebäude lag in einer vollkommenen Stille. Und das Gefühl von stechenden Blicken jagte dem jungen Mädchen zusammen mit der Stille Schauer über den Rücken. Sie sagte kein Wort, noch regte sie sich. Bis sie den rhythmischen und mittlerweile vertrauten Klang des aufsetzenden Gehstocks vernahm. Sie schaute die Treppe empor und dort stand er. Gentleman like gekleidet und mit seinen Augen an ihr haftend. Eine Weile herrschte wieder drückende Stille, bis er sich besann, den Kopf neigte und seinen Blick etwas zu Boden richtete, während
er an die oberste Stufe herantrat. „Ich dachte mir schon, dass du bald zurückkommen wirst!“ sagte er ruhig wie immer. „Deine interessierten und bewundernden Blicke von Gestern blieben mir nicht verborgen!“ Er lächelte leicht, während er langsam die Treppe hinunter schritt. Jeals Herz pochte bis zum Hals. Sie hatte in seiner Gegenwart so gut wie noch kein Wort gesprochen, doch ihre Kehle war wie zugeschnürt. Warum empfand sie so?
Der Fremde stand nun ein paar Meter von ihr entfernt und sah sie freundlich an. „Junge Dame, ich denke nicht, dass ihr den langen Weg hierher gekommen seit um in meiner Eingangshalle zu verweilen. Lass uns in die Bibliothek gehen, der Raum hat dir doch gefallen nicht wahr?“ Jeal nickte. „Ja sehr sogar!“ Er lächelte, endlich hatte er sie zum sprechen bekommen. Er wies sie mit einer freundlichen Bewegung der Hand an, mit ihm zu kommen. Als sie sich der Bibliothek näherten fiel Jeal wieder der Geruch des alten Papiers und des Holzes in die Nase. Sie atmete tief ein und folgte ihrem mysteriösen Unbekannten. Sie wusste nur zu genau welchem Risiko sie sich aussetzte, aber das ganze war zu verlockend um es zu lassen.
Der junge Grauhaarige zeigte auf das antike Ledersofa. „Setz dich, bitte!“ Wie schon einmal tat sie was er verlangte. „Du sprichst anscheinend nicht sehr viel. Aber würdest du mir trotzdem deinen Namen verraten?“ sie gab ihren Namen preis und für eine Weile legte sich eine Stille über die Beiden. Er hatte sich an seinen Schreibtisch gelehnt, den Gehstock noch immer haltend und musterte das Mädchen genau. Jeal sah ihn nicht an, doch sie spürte seinen durchdringenden Blick. Sie wusste weder was sie tun, sagen, fühlen noch denken sollte. Für einen Augenblick trafen sich ihre Blicke, doch Jeal hielt dem nicht lange stand. Ihr musste etwas einfallen, diese Stille machte sie nervös.
„Warum haben sie mich letzte Nacht da aus dem Regen geholt?“
„Hältst du es nicht für selbstverständlich? Ich sah dich auf der anderen Straßenseite. Ein junges Mädchen, sollte um diese Urzeit nicht alleine draußen sein. Und schon gar nicht so leicht bekleidet und das bei diesem Wetter!“ er klang keineswegs ermahnend oder predigend. Seine Stimme blieb immer im gleichen ruhigen Ton und sie weckte langsam Jeals Gefühl des Vertrauens.
„Darf ich sie Fragen…was sie um diese Uhrzeit und bei dem Wetter draußen gemacht haben?“
Er sah kurz zu Boden. „Meinen Nachtspaziergang, das Wetter war nicht erfreulich, aber es drang mich dennoch dazu raus zugehen. Außerdem wer weiß was hätte passieren können wenn ich zu der Zeit nicht da gewesen wäre. Meines Erachtens wärst du da draußen gestorben.“ Er räusperte sich. „Du hast Mut…dich selbst zu verletzen und was auch immer du letzte Nacht genommen hast, du hast Mut den Tod herauszufordern.“ Sie sah ihn beschämt an und hatte das Gefühl leicht rot zu werden. Sein Blick hatte etwas Geheimnisvolles. „Aber gestatte mir eine Frage: Was hat dich hierher zurück getrieben?“ Was sollte sie ihm antworten? Im Grunde wusste sie es doch selbst nicht. Jeal überlegte einen Moment: „Ich…ich wollte mich vernünftig bedanken…und ich muss gestehen ihr Haus hat mich fasziniert. Ich liebe solche alten Gemäuer, und diese Bibliothek ist wundervoll. Die Themen die sie umfasst sprechen mich sehr an.“ Erklärte sie schüchtern. Der Fremde lächelte. „Das dachte ich mir. Dieses Haus ist schon lange im Besitz meiner Familie, ich habe es von meinem Großvater übernommen. Meine Eltern haben dieses Anwesen aus verschiedenen Gründen abgelehnt und da sie leider nicht mehr auf dieser Erde weilen, genau wie deine, lebe ich nun hier.“ Schon wieder hatten sie etwas gemeinsam, dachte Jeal.
„Darf ich sie nach ihrem Alter fragen?“ Sie hoffte mit dieser Frage nicht zu persönlich zu werden. Er lächelte abermals. „Wenn es euch so dringend interessiert. Ich habe mittlerweile 25 Jahre auf meinen Schultern. Damen fragt man ja nicht nach ihrem Alter, also halte ich mich jetzt zurück!“ „Siebzehn, ich bin siebzehn.“ erklärte Jeal ohne zu zögern. „Blutjung“ sagte er leise, mehr zu sich selbst und sein Ton hatte etwas Verträumtes. Sein Blick fiel auf ihren verwundeten Arm und blieb dort Stumm liegen.
Wieder trat Stille ein. Das rothaarige Mädchen wollte sie unterbrechen. „Wie heißen sie?“
Er schaute ihr tief in die Augen, was Jeal leicht erröten ließ. „Mein Name ist vorerst nicht von
Bedeutung.“ Er stellte seinen Gehstock ab und ging zu dem Globus, klappte ihn in der Mitte auf und fragte ob sie etwas trinken wollte. Jeal nickte und bat um ein einfaches Wasser.
Sie wollte seinen Namen erfahren, doch erneutes Fragen würde nicht viel bringen, dass wusste sie und es wäre unhöflich.
Dankend nahm sie das Glas an. Das Wasser war kühl, genauso wie sein tiefer Blick der abermals geheimnisvoll an ihr haftete.

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