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 Geschichte: "Die Lichtung" Nächstes Thema anzeigen
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Luzifer
Administrator


Anmeldungsdatum: 21.05.2004
Beiträge: 763

BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 22:33 Antworten mit ZitatNach oben

Sie ist noch nicht fertig... aber den ersten Teil stelle ich vielleicht schon einmal rein.

Aus gegebenem Anlaß noch der Hinweis: Gesamte Geschichte ist (c) von mir!

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Eine blutige Träne fiel mit einem leisen Platschen auf den nassen Waldboden. Selbst die Vögel waren verstummt und eine dicke, undurchdringliche Stille hatte sich über den Wald gelegt. Kein Windhauch regte sich, und der Nebel lastete schwer auf den nassen Farnen.

Der üppige Pflanzenwuchs verlieh der Lichtung eine urtümliche, wilde Ausstrahlung. Die Mondstrahlen fielen durch die Bäume am Rande der nur von wilden, riesigen Farnen und Gräsern bewachsenen Fläche, und tauchten die Szene in ein überirdisches, fast gespenstisches Licht. In der Mitte der Lichtung war der Boden erst vor kurzem gestört worden. Der würzige Geruch frisch umgegrabener und nasser Erde lag in der Luft.

Die Gestalt kniete mit zusammengesackten Schultern vor dem Grab. Ihr schulterlanges, schwarzes Haar verdeckte ihr Gesicht. Eine weitere Träne tropfte auf den übersättigten Waldboden und löste sich dort in dem Gemisch aus Erde, Wasser und Blut auf. Ein langgezogener, tieftrauriger, aber unmenschlicher Schrei zerriß einen Moment lang die unwirkliche Stille. Aufgeschreckt stoben die Vögel aus einem der Baumwipfel davon; der Wald jedoch ließ den Schrei ungerührt an sich abperlen und warf ihn wie hundertfachen Hohn von allen Seiten auf die junge Frau zurück. Er würde ihr die Antwort nicht geben, die sie tief in ihrem Innern längst kannte, aber nicht akzeptieren wollte.

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Seit an seit schlenderten sie die Straße hinab. Der Nachtwächter mit seiner langen Fackel kam ihnen entgegen, hob seinen hohen Hut und grüßte freundlich, bevor er sie passierte und in der Dunkelheit verschwand, um seine Runde fortzusetzen.

Sie kamen an der Kathedrale vorbei, die gerade fertiggestellt worden war. Jahrzehnte hatten die Bürger und Bauern der umliegenden Gemeinden dafür gearbeitet und gespendet. Der Adel hatte Tausende von Goldstücken aufgebracht, um die Turmspitze noch ein bißchen höher, das Kirchenschiff noch ein bißchen länger und die Inneneinrichtung noch ein bißchen prächtiger zu machen als die des Doms in der Hauptstadt. Ganze Generationen hatten das gigantische Bauwerk nur halbfertig erlebt. Morgen sollte die Kathedrale nun vom neuen Bischof geweiht werden. Die ganze Stadt fieberte dem Ereignis freudig entgegen. Frische Blumen, für diese Gelegenheit gehegt und gepflegt, waren bereits vor dem Eingang aufgebaut, und aus der Kirche hallten getragene Gesänge herüber. Der Chor probte ein letztes Mal vor der großen Zeremonie.

Sie schlugen den Weg zu dem Hochviertel ein. Die aneinandergereihten Häuser wohlhabender Bürger wichen den Villen des Stadtadels, die sich hinter weißgestrichenen Metallzäunen mit scharfen Spitzen und wohlgepflegten Vorgärten von dem gemeinen Pöbel abschotteten. Nicht, daß der ohnehin eine grosse Chance gehabt hätte, in dieses Viertel vorzustoßen: Die Wachen verhinderten dies mit der ihnen eigenen Professionalität und -- sollte es nötig werden -- Brutalität. Es gehörte aber zum guten Stil in diesen Kreisen; jemand ohne weißgestrichenen Zaun und scharfen Spitzen darauf wäre bei den regelmäßig stattfindenden sozialen Anlässen in schlimme Erklärungsnöte geraten und wahrscheinlich in den Untiefen der sozialen Nichtachtung untergegangen. Celine waren nur zwei derartige Fälle bekannt: Ihre Eltern hatten ihr von einem Adeligen erzählt, der schon zu ihrer Zeit sehr alt war und -- offensichtlich vom Alter geistig verwirrt -- behauptet hatte, die Erde drehe sich um die Sonne. Der Adel hatte derartige Abstrusitäten mit der altbewährten Waffe der sozialen Nichtachtung gestraft, und der alte Herr lebte fortan ein sehr einsames, aber immer noch komfortables Leben. Jedenfalls genoß er seinen Besitz noch so lange, bis ein durchreisender Inquisitor im Auftrag des Heiligen Stuhls von der Geschichte erfuhr, unter Einsatz gesegneten Feuers feststellte, daß der Mann ein Bote des Teufels war, seinen weltlichen Besitz konfiszierte und seine sündige Seele dem Himmlischen Vater anempfahl. Der zweite Fall war ein Adeliger, der eine Bürgerliche hatte heiraten wollen. Ihm blieb der schnelle Zugang zum Himmel versperrt, doch stattdessen folgte auf die konsequente Nichtachtung, die wirkungslos blieb, eine konzertierte Intrige des restlichen Adels, der eine solche Nestbeschmutzung unmöglich dulden konnte. Jedenfalls verlor der Betreffende seinen gesamten Besitz und mußte fortziehen. Über seinen Verbleib erfuhr man nichts mehr; man munkelte, er hätte sich den Räuberbanden angeschlossen, die immer mal wieder die umliegenden Dörfer terrorisierten.

Celine wäre nie auf den Gedanken gekommen, mit einem Bürgerlichen anzubandeln, selbst wenn sie hätte selber entscheiden dürfen, wen sie heiraten wollte. Sie hatte eine Stellung als Tochter aus bestem Hause; man erwartete von ihr, daß sie sich entsprechend verhielt, und das tat sie vorbildlich. Liebe war für sie eine völlig unvernünftige, wenn nicht gar unanständige Vorstellung. Felix neben ihr entstammte dem Hochadel der nördlichen Hauptstadt und ermöglichte ihr den Verkehr in obersten Kreisen. Ihre Heirat würde die zwei wichtigsten Familien des Landes vereinen und zu einer unumstrittenen Macht führen, die selbst der König nicht einfach beiseite wischen konnte.

Sie erreichten das gußeiserne, weißgestrichene Tor vor Celines Familienvilla. Felix wünschte ihr eine angenehme Nacht, hauchte einen formvollendeten Kuß auf ihre Hand und zog sich dann zur Nachtruhe in der Villa von Freunden zurück. Auf ihrem Weg durch den prächtigen Vorgarten ließ Celine ihren Blick zum Himmel aufsteigen. Die Sterne leuchteten ungewöhnlich hell und der Vollmond wurde nur selten von rasch dahinfliegenden Wolkenfetzen verdeckt. Felix war ein feiner junger Mann mit hervorragendem Leumund und untadeligem Benehmen. Nach der Weihung der Kathedrale sollte ihre Heirat die erste richtige sakrale Handlung in der nunmehr größten Kirche des Landes sein. Als Celine sich der Tür näherte, wurde sie von innen aufgezogen, und Cedric, der alte Leibdiener, ließ sie mit brennender Kerze in der Hand hinein. Wortlos schritt sie an ihm vorbei, die breiten, mit Teppich belegten Treppen hinauf und in ihr luxuriöses Zimmer. Dort warf sie die Tür hinter sich ins Schloß und sperrte ab. Im Mondschein kleidete sie sich aus und stieg in ihr Nachthemd, das auf dem breiten Himmelbett für sie bereitgelegen hatte. Das weiche Bett empfing sie mit unzähligen Kissen und Decken. Innerhalb von Minuten war Celine eingeschlafen.

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Der Duft machte ihn fast wahnsinnig. Er konzentrierte alle seine Sinne darauf. Er konnte ihn förmlich sehen. Wo war er nur? Er folgte der Spur, die er durch die Straßen des Stadtadels an der Kirche vorbei gezogen hatte. Es war wirklich eine gewaltige Kathedrale, und sie war aufwendig geschmückt. Er lachte kurz und trocken. Die Kirche war ein Papiertiger geworden. Stets um ihre Außenwirkung besorgt, beschränkte sie sich jetzt darauf, ihre Tempel prächtig zu schmücken und ab und zu mal ein paar Leute zu verbrennen. Fast immer verbrannte sie die falschen, das war heute nicht anders als damals. Er kam an den Wachen vorbei, die mit auf Hochglanz polierten Brustpanzern, Helmen und Waffen stolz ihre Runde machten. Sie bemerkten ihn nicht, die Idioten. Die Jagd bereitete ihm nur noch wenig Freude -- er konnte sich noch gut an die Zeiten erinnern, als sie noch eine Herausforderung war, als er noch um seine Beute kämpfen und ständig damit rechnen mußte, die Nacht, oder noch schlimmer, den Tag nicht zu "überleben". Zur Zeit der Kreuzzüge, zum Beispiel, waren Tausende ausgezogen. Das Heranschleichen an ihr Lager, der kurze Kampf, der Biß der Ewigkeit und das Verschwinden im Mantel der Nacht, ohne entdeckt zu werden, ließen ihm einen wollüstigen Schauer den Rücken hinunterlaufen. Er seufzte. Starkes Blut konnte man heute suchen wie vierblättrigen Klee. Er hatte sich schon fast damit abgegeben, daß es so etwas nicht mehr gab. Bis heute nacht.

Sein außergewöhnlicher Geruchssinn sagte ihm, daß es nicht mehr weit sein könnte... und da, er hörte es. Ganz leise, vom donnernden Lärm der nächtlichen Geräusche um ihn herum überdeckt, aber unmißverständlich. Das ruhige, beständige Pochen eines einzigartigen Herzens. Er umrundete die letzte Ecke und sah das Haus vor sich. Wie alle anderen in diesem Viertel auch stand es etwas abseits der Straße. Ein verstohlener Blick nach links, einer nach rechts, und schon war er behende über den weißgestrichenen Zaun hinweggesprungen. Je näher er dem Haus kam, desto sicherer wurde er sich, daß der Mann in dem Eckzimmer des ersten Stocks schlief. Er machte einen gewaltigen Satz und landete lautlos auf dem Fenstersims. Das Fenster war angelehnt. Mit geübter Leichtigkeit schlüpfte er durch den Spalt und fühlte dicken Teppich unter seinen Füßen. Er blickte sich um. Es war offensichtlich eine reiche Familie, die hier wohnte. Große Gemälde zierten die Wand, Spiegel alle vier Seiten des Zimmers, und in der Mitte stand ein großes Himmelbett. Viel Aufmerksamkeit vermochte er diesen Details jedoch nicht zu schenken, er achtete lediglich auf die Türen, Fenster und strategische Positionen. Er schlich zum Bett hinüber und zog sanft die Bettdecke etwas zurück. Verwirrt hielt er inne. Dies war kein Mann, wie er aufgrund des starken Blutes angenommen hatte, es war eine junge Frau. Ihre Schönheit war atemberaubend. Er schnalzte leise mit der Zunge. Er hatte wirklich außergewöhnliches Glück. Er spürte, wie sie im Schlaf Wärme ausstrahlte. Bald würde auch er endlich wieder Wärme in seinen Fingern spüren.

Er zitterte vor Erregung. Langsam beugte er sich über das Bett. Eine graue, verdörrte Hand strich ihr das lange, dunkle Haar aus dem Hals in den Nacken. Er lächelte beim Gedanken an die Ironie, daß er sich ihr näherte wie ihr Geliebter. Hatte sie einen? Hatte sie schon...? Er rang um seine Kontrolle. Allzu süß strich ihm ihr Duft um die Nase. Er hob ihren Kopf sanft an. Wie delikat ihr Hals doch aussah. Sie stöhnte leise, als ob sie träumte. Bald wäre ihr Traum vorüber, dachte er. Fast traurig dachte er daran, daß auch sein Traum allzu schnell vorüber sein würde. Er öffnete den Mund und legte ihn an ihren samtig zarten Hals. Gerade wollte er seine Zähne einschlagen, als sie zusammenzuckte.

Celine riß die Augen auf. Eine Gestalt hatte sich über sie gebeugt. Sie hatte ihre Gegenwart also nicht geträumt. In Panik stieß sie sie von sich und rutschte auf dem Laken rückwärts, bis sie gegen die Pfosten des Bettes stieß. Das silberne Mondlicht, das durch die hohen Fenster hereindrang, zeigte ihr eine Gestalt in einer dunklen, zerfetzten Kutte. Das Gesicht war von einer Kapuze verhüllt, doch spürte sie seinen brennenden Blick, der sie mit der Kälte des unfaßbar Bösen fast zu erfrieren drohte. Sie versuchte, aufzuspringen und zur Tür zu laufen, doch ihre Beine versagten. Sie öffnete ihren Mund, um nach Hilfe zu schreien, doch mit dämonischer Geschwindigkeit hatte sich die Gestalt auf sie gestürzt und ihr eine rauhe Klaue über den Mund geschlagen. Celine stieg der Geruch von Verwesung in die Nase. Sie versuchte zu kämpfen, doch der Unbekannte hatte sie wie eine Spielpuppe unter Kontrolle. Er warf sie auf ihr Bett. Sie trat nach ihm, doch er wich ihrem Tritt spielender Geschwindigkeit aus. Sie sah die Kapuze näherkommen. Für einen Moment lang erhellte der Mondschein, reflektiert in einem der Spiegel, die Dunkelheit darunter. In einem fahlen, knöchernen Gesicht leuchteten glühende Kohlen... und zwei weiße, spitze Fangzähne. Celines Gedanken waren gelähmt... der Leibhaftige stand vor ihr!

Ihre Gegenwehr war kurz, aber heftig gewesen. Gegen ihn hatte sie natürlich keine Chance, aber ihr Temperament hatte ihn nur noch mehr erregt. Wie sie ihn nun anstarrte, als ob der Leibhaftige vor ihr stünde. Er überlegte sich, das Spiel noch weiter hinzuziehen, doch der Hunger übermannte ihn. Während er langsam, bebend vor Vorfreude, an ihr Bett trat, sah er, wie sie, blaß wie eine Lilie, das Zeichen des Kreuzes schlug. Diese albernen Menschen, dachte er. Glauben, Gott würde sich auf ihre Seite schlagen. Als ob sich Gott um überhaupt irgendetwas kümmerte. Fressen und gefressen werden, das war das einzige Gesetz. Und nun war es an der Zeit. Er beugte sich zu ihr hinab, während das Mädchen ihn nur mehr mit großen Augen anstarrte.

Celine war vor Angst wie gelähmt. Hilflos mußte sie mit anschauen, wie sich das Monster mit den glühenden Augen und den langen, spitzen Zähnen ihr näherte. Sie tat das Einzige, was ihr noch einfiel, weil man es ihr seit frühester Kindheit beigebracht hatte. Sie schlug das Kreuz und flehte den Himmlischen Vater um Beistand an. Es war vergebens. Die Bestie beugte sich über sie. Eine stinkende Klaue packte sie an der Schulter, die andere griff nach ihrem Haar. Die glühenden Augen kamen immer näher, bis sie sich unerwartet zur Seite wandten. Celine spürte einen Schmerz in ihrem Hals. Nur kurz sprang der Funken ihrer Gedanken über den Graben zwischen ihrem eigenen Horror und den alten Fabeln über Vampire. Ihre Sicht verschwomm und helle Sterne tanzten vor ihren Augen. Ihr wurde kalt und ihre Gedanken fuhren sich fest wie ein Karren in tiefem Sand. Schließlich verlosch auch das Funkeln der Sterne, und eine tiefe Dunkelheit, schwärzer als die Nacht, hüllte sie ein.

Achtlos ließ er den für ihn nunmehr nutzlosen Körper zurück auf die Kissen fallen. Ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen. Vorsichtig strich er sich das Blut mit einem Finger aus den Mundwinkeln und leckte ihn genüßlich ab. Es tat ihm leid, daß es wieder so schnell vorübergegangen war. Er spürte wohlige Wärme in sich aufsteigen. Sie war ein echter Genuß gewesen, und ihr Herz hatte länger geschlagen als viele andere. Doch jetzt mußte er sich von ihr lösen, denn stilles Blut war auch für ihn tödlich. Er seufzte lautlos, und verwandte seine Gedanken wieder auf seine unmittelbare Umgebung. Die Flucht war fast immer deutlich leichter als das Anschleichen. Er schnüffelte die Luft und spitzte seine Ohren, doch rundum schliefen alle. Genauso schnell und lautlos, wie er gekommen war, sprang er aus dem Fenster und über den Zaun, bevor die Finsternis seine dunkle Gestalt verschluckte.


Zuletzt bearbeitet von Luzifer am 24.06.2004, 22:26, insgesamt 5-mal bearbeitet
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Luzifer
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Anmeldungsdatum: 21.05.2004
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BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 22:34 Antworten mit ZitatNach oben

Die wenigen Wolken, die gemächlich über den Himmel zogen, erstrahlten im Licht der ersten Sonnenstrahlen in einem zärtlichen rosa. Felix ließ seinen Blick über die erwachende Stadt hingleiten. Hier entriegelte einer der ersten Händler seine Rolläden; dort stürzte ein junger Laufbursche hastig durch die Gassen, vermutlich um noch die allerletzten Besorgungen vor dem großen Tag zu tätigen. Felix hörte es hinter sich an die Zimmertür klopfen. Er wußte, daß es sein Diener war. Er hatte Anweisung gegeben, ihn heute früher als gewöhnlich anzukleiden; er wollte nicht riskieren, daß irgend etwas bei ihrer Hochzeit schiefging. Er hatte zu lange darauf hingearbeitet, als daß er sich dieses großartige Ereignis von einer in Hast zerrissenen Hose oder verwischter Schminke konnte ruinieren lassen. Sein Diener trat vorsichtig ein und wirkte überrascht, seinen Herrn schon im Morgenmantel vor dem hoch über der Stadt gelegenen Fenster zu sehen. "Oh, Ihr seid bereits auf?" Felix seufzte innerlich ob der unbeholfenen Beleidigung durch seinen Lakaien. Er würde ihn wohl austauschen müssen, wenn er seine lang angestrebte Position einnahm. Er starrte auf den Marktplatz vor der Kathedrale hinab. Ironisch - selbst den Galgen hatte man anläßlich des hohen Tages geschmückt.

Er riß sich los und wandte sich zu seinem Diener. "Ja, ich pflege aufzustehen, wann es mir beliebt," sagte er barsch. "Bringe mir meine Hochzeitskleider." Der junge Diener tat bei der Rüge seines Herrn einen Schritt rückwärts und wurde bleich. "Sofort, wie Ihr wünscht."

Der Junge würde seine zukünftigen Aufgaben keinesfalls erfüllen können. Gleichzeitig impertinent und sensibel wie eine Mimose. Während Felix auf sein zerwühltes Bett starrte, fiel ihm auf, daß es die letzte Nacht gewesen war, die er alleine verbracht hatte. Diese Nacht würde er Celine bei sich haben. Seine Heirat mit ihr bedeutete ihm mehr als alles andere: Sie machte ihn zum einflußreichsten Mann des Reichs. Der König sollte sich nur in acht nehmen; seine Stellung war schwach und angreifbar. Vorbei waren die Zeiten, in denen er dem Adel auf der Nase herumtanzen konnte. Seine Frau und sein Sohn waren im Kindbett gestorben, und seine sture Weigerung, sich eine neue Frau zu nehmen, bedeutete, daß das Reich bei seinem Tode an einen neu zu wählenden König fallen würde.

Felix betrachtete seine dicken goldenen Ringe, die er auch des Nachts nicht ablegte. Die Rubine und Saphire funkelten im warmen Licht der aufgehenden Sonne. Der heutige Tag würde ihn zum unumstrittenen Favoriten für die Krone machen. Mit den beiden mächtigsten Familien des Landes unter seiner Hand vereint, konnte ihm keiner das Wasser reichen. Es klopfte wieder an der Tür, und widerwillig ließ er seine Gedanken zum hier und jetzt zurückkehren.

Der Diener trat ein. Er trug den Arm voll mit den prächtigen Kleidern, die seinen Herrn bei der Hochzeit als den Mann ausweisen würden, dem in Kürze das ganze Reich zu Füßen läge. Wortlos hob Felix die Arme, und der Lakai machte sich daran, ihn anzukleiden. Auch Puder und Schminke durften nicht fehlen. Eine halbe Stunde später betrachtete sich Felix im Spiegel auf dem Tischchen an der Wand. Ein zufriedenes Grinsen strahlte ihm aus dem Spiegel entgegen, während er mit der Hand eine letzte Wölbung in seiner Weste glattstrich.

Sie wußte nicht, was mit ihr geschah. Sie war in einem Strom der Finsternis untergegangen; er hatte sie hinabgerissen und sie zu ersticken gedroht. Mit aller Kraft hatte sie gegen den Strudel angekämpft, doch es schien aussichtslos. Die Zeit verging, und die Stille der Finsternis wurde immer gigantischer und bedrückender. Sie wurde eines leisen Tickens gewahr, wie dem einer Uhr... eines Rauschens... nein, es war kein Ticken, es war eher ein Pochen. Ein sanftes, regelmäßiges Klopfen, das von einem leisen Rauschen begleitet wurde. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen. Mit einem Mal jedoch nahm sie einen winzigen Lichtpunkt wahr, der weit entfernt in der Finsternis schwebte. Er schwebte nicht auf der Stelle, sondern näherte sich ihr mit rasanter Geschwindigkeit und wuchs und wuchs. Schließlich stand sie vor einem gleißend hellen Licht, das fast ihr gesamtes Gesichtsfeld einnahm.

Celine schrak auf und bereute es sofort wieder. Mit einem Stöhnen sank sie auf die Kissen zurück. Sterne tanzten vor ihren Augen und ihr ganzer Körper brannte, als ob flüssiges Feuer durch ihre Adern schösse. Gleichzeitig fröstelte sie fürchterlich. Was war mit ihr geschehen? Sie öffnete wieder die Augen. Es war ihr Zimmer, gewiß, aber es wirkte irgendwie... anders. Sie drehte den Kopf etwas zur Seite, um besser sehen zu können. Ein scharfer Schmerz zuckte durch ihren Hals und an ihrer Seite hinab durch ihren Körper. Langsam hob sie ihre zitternde Hand zu ihrer Halsbeuge und taste vorsichtig mit ihren Fingerspitzen herum. Sie berührte etwas Hartes, Poröses. Etwas davon platzte ab, und sie griff mit Zeigefinger und Daumen danach. Sie mußte die Augen zusammenkneifen, um ordentlich sehen zu können. Es war bräunlich, flach, recht hart und zerbröselte zwischen ihren Fingern... es war Blut! Ihr Blut. Erinnerungen peitschten ihr durch den Kopf wie Blitze in einer bewegten Gewitternacht. Das Monster... die glühenden Augen... der Gestank... die Zähne... die Kälte... ihr wurde übel. Sie stürzte aus ihrem Bett in Richtung des Waschbeckens in der Ecke. Der Raum drehte sich jedoch plötzlich wie wild um sie, und sie schlug der Länge nach hin, bevor sie sich wieder aufrappelte und zu ihrem Ziel hinüberwankte. Sie fühlte sich so unglaublich schwach. Selbst ihre Magenmuskeln fanden nicht die Kraft, um das zu tun, was sie vorgehabt hatten. Nach einer kurzen Atempause griff Celine mit einer unsicheren Hand nach dem gefüllten Wasserkrug auf dem kleinen Schemel neben dem Becken. Sie war erstaunt, wie wenig sie von dem Wasser verschüttete. Sie hatte sich erst das Gesicht benetzen wollen, doch jetzt trank sie zuallererst begierig den Rest des Wassers, der noch im Krug verblieben war. Das Wasser auf ihrer Haut tat gut. Sie fühlte sich nicht nur schwach und erschöpft, sondern auch dreckig. Die Stellen, an denen das Monster sie berührt hatte, wusch sie besonders gründlich. Als sie den Waschlappen über ihren Hals führte, löste sich auch der Rest des Schorfs, der sich dort gebildet hatte. Sie kniff die Augen zusammen und sah genau in den Spiegel. Ihr Hals war glatt und samtig wie früher... keine Spur von einem Biß. Sie ließ den Waschlappen in das Wasser fallen, das sofort eine tiefrote Färbung annahm. Mit ihren Fingern strich sie vorsichtig über die Stelle, doch auch der Schmerz war verschwunden. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter. Was ging hier vor? Was geschah mit ihr? Ihr Verstand registrierte nur schwach das Flüstern in ihrem Kopf, das sie drängte, ihr zusetzte, an ihr nagte mit dem Wissen, daß sie die Antwort kannte. Celines Blick sank auf das tiefrote Wasser im Becken. Irgend etwas war seltsam daran, es schien schwach zu schimmern, als ob ein fahles Licht darunter brannte. Sie entschied, daß es eine Sinnestäuschung sein mußte. Das Waschen hatte sie angestrengt, und sie nahm sich vor, langsam den Rückzug zum Bett anzutreten. Diesmal drehte sich der Raum nicht, und sie fand ihren Weg sicherer, als sie erwartet hatte. Sie sank abermals auf ihre Kissen, doch schlafen konnte sie diesmal nicht.

Sie wußte nicht, wie lange sie mit offenen Augen auf ihrem Bett gelegen hatte. Die Muster an der Decke waren ebenfalls anders als früher. Die Holzbalken waren dieselben, zweifellos, doch ihre Maserung hatte irgendwie... an Tiefe gewonnen. Sie war lebendiger. Sie entdeckte Muster darin, die ihr früher nie aufgefallen waren. Sie hatte ihren Blick zu den schweren Vorhängen an der Wand schweifen lassen. Auch sie schienen schärfer gezeichnet, fast lebendig im Spiel von Schatten und Licht. Das Morgengrauen setzte ein. In der Kaserne begrüßte eine einzelne, helle Glocke den Sonnenaufgang. Irgendwo krähte ein Hahn aus purer Solidarität. Celine lauschte den Geräuschen der erwachenden Stadt. Sie hörte Türen gehen, Betten quietschen und das Geräusch von Pfannen auf Backöfen. Doch über allem waberte lähmend eine bange Furcht vor dem, was ihr widerfuhr. So sehr sie sich auch bemühte, den Geräuschen zu lauschen oder sich die Maserung der Holzbalken über ihr zu verinnerlichen, immer wieder schlichen sich die nächtlichen Bilder ungebeten in ihre Gedanken: die Zähne, die Augen, der Gestank.

Ein lautes Geräusch auf dem Gang vor ihrem Zimmer schreckte sie aus ihren dunklen Gedanken auf. Emma, ihre alte Kammerzofe, schlurfte in das Zimmer. Sie hielt einen Armleuchter mit brennenden Kerzen, obwohl es im Zimmer bereits taghell war. Sie sah, daß Celine offensichtlich bereits wach war und wünschte ihr lautstark einen guten Morgen. Celine starrte wortlos weiter die Decke an, während Emma sorgsam ein langes, weißes Gewand auf den Stuhl neben ihrem Bett legte. Irgend etwas sollte dieses Gewand ihr sagen, doch Celine kam nicht sofort darauf. Plötzlich schoß es ihr durch den Kopf: Ihre Hochzeit! Über den Geschehnissen der vergangenen Nacht hatte sie sie doch glatt vergessen. Sie begann, sich sofort Vorwürfe zu machen. Wie konnte sie nur so ein wichtiges Ereignis vergessen? Dieser Tag war ein großer Tag für ihre Familie und für Felix. Sie saß im Bett auf und sah, wie Emmas Blick zu dem Wasserkrug auf dem Schemel ging. Sie schlurfte langsam hinüber, um den Krug zum Wiederauffüllen mitzunehmen. Celine wollte gerade etwas sagen, als Emma sich aufrichtete und mitten in der Drehung zu ihr erstarrte. Sie hatte das Blut im Becken erblickt, das nun, aufgelöst in Wasser, nach viel mehr aussah, als es tatsächlich war. Sie wurde weiß um die Nasenspitze. "Milady, ich rufe sofort nach Eurem Arzt." - "Nein," lehnte Celine ab, "nicht nötig." Sie hatte Angst davor, ihre Entscheidung weiter begründen zu müssen, obwohl sie das selten zu tun pflegte. Emma wandte sich ihr vollständig zu. "Milady, geht es Euch gut?" Celine winkte wie beiläufig ab. "Nicht nötig, Emma, alles in Ordnung." Sorge und Mitgefühl hatten sich in die Gesichtszüge der alten Zofe gegraben, doch sie sagte nichts. Celine zeigte auf das Kleid. "Ich habe mich bereits erfrischt. Es ist Zeit." Emma nickte und reichte ihr die Hand.


Zuletzt bearbeitet von Luzifer am 05.06.2004, 21:49, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Luzifer
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Anmeldungsdatum: 21.05.2004
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BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 22:34 Antworten mit ZitatNach oben

Felix zürnte sich selbst. Er hätte bei der Weihe der Kathedrale mehr aufpassen sollen; schließlich war der neue Kardinal ein wichtiger und - wie Felix' Quellen ihm zutrugen - machthungriger Mann, der beim Konzil in hohem Ansehen stand. Dennoch war er mit seinen Gedanken woanders gewesen. So kurz stand er jetzt davor... so kurz... die Heirat, des Königs Tod, die Neuwahl... er mochte es selbst nicht glauben. So nah schon war er seinem Ziel. Er sah sich schon in Gedanken auf dem goldenen Thron sitzen, mit den Reichsinsignien und dem hermelinbesetzten Königsmantel...

Die Worte des Kardinals waren an ihm vorbeigezogen wie Regenwolken, die man geschützt unter einem soliden Dach und hinter dicken Fensterscheiben vorbeihasten sieht: Er hatte die Worte vernommen, aber ihnen nicht zugehört. Sein Vater und sein jüngerer Bruder neben ihm würden allerdings die Rede sezieren, analysieren und interpretieren, dessen war er sich sicher, also stellte seine geistige Abwesenheit in diesem Falle kein irreparables Versagen dar.

Schließlich begannen die Glocken zu läuten - es war ein sehr schönes Glockenspiel, das die Handwerkergilden der Kirche gestiftet hatten. Er spürte, wie ihn jemand am Arm zog. "Felix, es geht los!" drängte sein Vater. Sein Bruder schüttelte den Kopf. "Schon wieder in Gedanken auf dem Thron?" frotzelte er. Felix schaute seinen Bruder nur finster an und ließ sich dann von seinem Vater in die Kathedrale ziehen. Vor dem Altar klopfte dieser ihm noch einmal kurz, aber fest auf die Schulter und ging dann zum Familienstuhl. Felix starrte nur auf das purpurfarbene Kissen, das man für die Hochzeit auf der untersten Stufe vor dem Altar platziert hatte. Purpurfarben wie der Mantel des Königreichs, den er sich bald würde um die Schultern legen können. Er hörte, wie die Menge in der Kirche hinter ihm raunte. Celine wurde von ihrem Vater am Arm zu den Stufen geführt. Sie trug ein wunderbares Kleid mit langer Schleppe und einen Schleier, der jedoch so fein und gleichzeitig großmaschig gewoben war, daß er sie darunter gut erkennen konnte. Sie blickte ihn nicht an, sondern starrte auf das Kissen, wie er es kurz zuvor getan hatte.

Der Kardinal hielt die Zeremonie kurz. Während er die entscheidende Frage, ob er Celine zur Frau nehmen und für sie sorgen würde, mit fester Stimme beantwortete - er hatte es vorher vor dem Spiegel geübt, so viel hing von diesem Moment und dem Eindruck, den er dabei hinterließ, ab -, war Celines "ja" kaum zu hören. Der Kardinal runzelte die Augenbrauen und durchbohrte sie mit seinen Habichtsaugen, gab sich aber dennoch damit zufrieden.

Felix mußte seine ganze Kraft aufbieten, um ihren Schleier mit ruhigen Händen zu heben. Er blickte in ihr Gesicht. Ihre Zofen hatten sich diesmal selbst übertroffen, zuckte es ihm durch den Kopf. Diese vornehme Blässe, die fast blutroten Lippen, die tiefen, dunklen Augen. Es war ein ungewohntes Gefühl, das ihn beschlich. Als er ihr in diese Augen blickte, drohte er darin unterzugehen. Er wußte, daß sie im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, und konnte sich jetzt keine Schwäche erlauben. Er legte ihr eine Hand auf den Rücken und zog sie etwas zu sich heran. Sie beantwortete seinen Kuß pflichtgemäß, wenn auch nicht mit besonderer Inbrunst. Knapp dem Ertrinken in ihren Augen entronnen, war er etwas enttäuscht, aber relativierte dieses Gefühl sofort wieder: Auch sie wußte, worum es bei dieser Heirat ging, und sie teilte seine Ansichten. Er hätte sich den Kuß nicht so heißblütig vorstellen sollen, schalt er sich. Sie hatte recht, er sollte kräftig, aber nicht ungestüm aussehen - gemessen, nicht übertrieben. Er löste sich nach ein paar Augenblicken von ihr und bemerkte im Taumel des Augenblicks nicht, daß ihre Lippen sehr kühl waren. Im Kirchenschiff brach unterdessen ein Pandämonium aus. Der versammelte Adel der Stadt, auch der Großteil des Adels seiner eigenen Heimatstadt, jubelte dem frischgebackenen Paar zu, allen voran ihre eigenen Familien.

Der Organist trumpfte mit einer fulminanten Fuge auf, die den Blasebalg-Tretern den Schweiß nur so den Rücken herunterlaufen ließ, während Felix Celine zum Kirchentor hinausführte. Bestellte Kinder in weißen Kleidern warfen Blumen vor ihre Füße. Draußen harrten Schaulustige darauf, einen Blick vom Paar zu erhaschen, und wurden nicht enttäuscht. Die reichgeschmückte Kutsche mit einem Gespann aus sechs weißen Pferden wartete an den Stufen auf das junge Paar, um sie in Felix' Heimatstadt zu bringen, wo Celine in Zukunft mit ihrem Mann leben sollte. Am Fuß der Treppe, vor der Kutsche, standen auch ihre Eltern und einige wenige Bedienstete. Celine lächelte beide Adeligenpaare an, eher gezwungen, wie Felix fand, und stieg dann wortlos in die Kutsche. Celines Vater sprach nochmals seinen Segen über seine Tochter und ermahnte sie, gut für Felix zu sorgen. Emma, Celines Kammerzofe, öffnete ihren Mund, besann sich dann jedoch eines Anderen, wandte sich ab und nestelte in den Taschen ihres weiten Kleides nach ihrem Taschentuch. Felix verabschiedete sich formvollendet von seinen Eltern und seinen neuen Schwiegereltern, stieg dann ebenfalls in die Kutsche und gab dem Fahrer mit seinem Spazierstock, den er zweimal kurz gegen das Kutschendach stieß, das Signal zur Abfahrt.

---------------

Die Sonne war gerade am Untergehen und sie befanden sich in einem Waldstück kurz vor ihrem Reiseziel, Felix' Familienschloß auf dem Berg über der Stadt, als die Kutsche abrupt anhielt. Felix hörte, wie seine bewaffneten Begleiter nach vorne preschten. Felix zog den Vorhang zurück, der die Fenster der Kutsche verdeckte und das Kutscheninnere gegen den kalten Fahrtwind abschirmte. Er blickte hinaus, konnte aber in der Abenddämmerung und in der Dunkelheit der dichten Blätterdecke nichts erkennen. Der Wind trug den schnellen Wortwechsel von der Kutsche fort, und außer Wortfetzen konnte Felix nichts verstehen. Kurz darauf ritt eine seiner beiden Wachen zu seinem Fenster zurück. Der Mann war schneeweiß im Gesicht. "Der Graf de Beautemps..." stotterte er.

Die andere Wache kam zu Fuß zum Fenster an der anderen Seite der Kutsche gewankt. Er hatte schwer an einem Mann zu tragen, dessen Arm er über seine Schulter geschlungen und dessen Hand er fest im Griff hielt. Der Mann schien sich mit letzter Kraft ans Leben zu klammern. Sein Gesicht war aufgequollen, eine Wunde klaffte über einer Braue, und er hielt eine blutüberströmte Hand seitlich an seinen Kopf gepreßt. Felix erwartete, daß sich Celine von dem Anblick abwenden würde, doch sie blickte ohne sichtbare Regung auf den Mann.

"Banditen!" stieß der Graf hervor. Seine Stimme war kaum mehr als ein heiseres Krächzen. Felix langte über Celines Schoß hinweg zum Türgriff und stieß die Kutschentür auf. Behutsam und mit schmerzverzerrtem Gesicht löste der alte Herr die Hand, die er an seinen Kopf gepreßt hielt. Felix' Augen weiteten sich. Dort, wo sich das zweite der beiden Segelohren, die das Erkennungsmerkmal des Grafen darstellten, hätte befinden sollen, klaffte nur eine blutige Wunde. Offensichtlich hatte man ihm das Ohr abgeschnitten. Die blutverschmierte Hand klammerte sich unsicher um den Griff an der Tür, und es verlangte sowohl die ganze Anstrengung Felix', der zog, und der Wache, die drückte, um den Mann in die Kutsche zu bekommen. Er fiel Felix und Celine gegenüber auf die Sitzbank. Celines Ausdruck hatte sich von Desinteresse zu vorsichtiger Neugier gewandelt. Sie studierte das Gesicht des verwundeten Mannes. Felix zückte sein Taschentuch und reichte es dem Mann, der es mit einem Stöhnen entgegennahm und sich den blutigen Schweiß von der Stirn tupfte.

Celine war erstaunt. Der mächtige Graf de Beautemps, der einen beispiellosen Feldzug gegen die Banditen geführt hatte und der sich rühmte, seine Grafschaft von der Plage befreit zu haben, war eben dieser zum Opfer gefallen. Das Schicksal war nicht ohne Sinn für Ironie, dachte sie. Jahr um Jahr hatte man in der Grafschaft Beautemps nach leeren Bäumen suchen müssen, um die Banditen, oder die, die man dafür hielt, aufknüpfen zu können. Sie fragte sich, welche Räuber dem Leben des Grafen kein Ende setzten, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten. Selbst das gewöhnliche Volk, vermutete sie, hätte die Gelegenheit dazu gerne genutzt, denn kein Mitglied des Adels war im Lande so verhaßt wie der Graf de Beautemps. Er galt auch unter seinen Ebenbürtigen als unberechenbar und aufbrausend und dazu absolut skrupellos. Als sie noch klein war, erinnerte sich Celine, hatte der Graf ein ganzes Dorf, einschließlich kleinen Kindern, Frauen und Greisen, seinen Folterknechten überantwortet, weil sie es gewagt hatten, ihren Dorfgeistlichen mit der Bitte zu ihm zu schicken, die Steuern und Abgaben infolge einer schlechten Ernte auszusetzen oder wenigstens zu reduzieren. Respekt durch Härte war sein Motto. Celine hatte nie viel davon gehalten und dieses Schicksal - oder schlimmeres - immer vorhergesehen.

Was sie jetzt allerdings faszinierte, das war das Lichtspiel der untergehenden Sonne in den Schweißperlen und den Bluttropfen, die in seinen Haaren hingen. Während ihr früher nur selten die bunten Farben aufgefallen waren, die erstrahlten, wenn das Licht der Sonne Tautropfen an Blättern küßte, so entdeckte sie jetzt ungleich mehr Nuancen. Besonders die Bluttropfen erschienen in einem unwirklichen Rot. Karminrot, Purpur, Cochenille, ein warmes Rosa spielten darin, während die Kutsche über Äste und Steine auf dem Waldboden holperte. Celine bekam mit einem Mal Durst. Es war jedoch kein gewöhnlicher Durst, bemerkte sie erstaunt, sondern es war eine Art Magengrimmen, das sie immer gehabt hatte, wenn sie hungrig war. Sie verdrängte den Gedanken daran und hörte nicht auf ihr Magenknurren. Sie rieb ihre Hände aneinander, um sie etwas zu wärmen. Ihre Fingerspitzen waren eiskalt.

Sie hörte, wie Felix den Grafen fragte, was vorgefallen sei. Das gleiche hatten die Wachen ihn auch schon gefragt. Er hatte geantwortet, daß er auf seinem Weg zu Felix' Familienschloß in einen Hinterhalt geraten, seine Leibwache gezielt von Bogenschützen niedergemetzelt und er anschließend gefangengenommen und brutal verstümmelt worden sei. Sie wunderte sich, warum Felix dies noch einmal hören wollte. Sie schaute gelangweilt aus dem Fenster. Wenn sie sich zwang, sich auf etwas zu konzentrieren, gelang es ihr mitterweile, die Gedanken an die letzte Nacht zu verdrängen. Irgendwie hoffte sie wohl, die Ereignisse ungeschehen machen zu können, indem sie normaler Routine nachging. Sie wußte aber, daß das unmöglich war. Wenn sie aus dem Fenster blickte, so wie jetzt, wußte sie, daß etwas anders war. Den ganzen Tag über hatte sie es gespürt. Die Sonne war ihr fast unerträglich hell vorgekommen, und sie war dankbar für den Schleier, den sie tragen durfte, auch wenn er viel zu lichtdurchlässig gewesen war. Den ganzen Tag lang war ihr schwindelig gewesen, und in Abständen hatte sie dieses Magengrimmen heimgesucht. Wenn nun die Sonne unterging, war für sie alles immer noch taghell, und sie sah Nuancen in den Schatten, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie hörte Geräusche, die sie früher nie wahrgenommen hatte. Und sie roch Dinge, die für sie völlig neu waren. Der Mann ihr gegenüber stank nach Schweiß und Dreck. Sie hatte aber das Gefühl, noch mehr zu riechen... sie roch abgestandene Angst, erschöpften Jähzorn und wilde Empörung. Und Schmerz.

Die Wache, die den Grafen mit in die Kutsche gehoben hatte, schien unruhig. "Milord," sagte der Mann, und richtete dabei den Blick auf den Kutschenboden vor Felix, "wir sollten von hier verschwinden. Wer weiß, wo die Banditen jetzt sind. Sie könnten uns ebenfalls auflauern." Felix starrte ihn an, als ob er dumm wäre. "Ja und? Warum fahren wir dann noch nicht?" Der Mann verbeugte sich schnell und tief, warf die Tür der Kutsche zu und gab dem Kutschenführer und seinem Partner das Signal zur Abfahrt.

Es dauerte nicht lange, bis vor Celines aufmerksamen Augen die dunklen Mauern des Schlosses aufragten. Sie hörte, wie Diener und Dienerinnen jenseits des Tors aufgeregt ihre Plätze aufsuchten und Haltung annahmen, während die Torwächter das hohe Eichentor von innen aufzogen. Das weiße Gespann zog durch ein Spalier der Hausbediensteten und hielt vor dem Eingang des Hauptgebäudes. Mit einer Geste winkte Felix zwei Kammerdiener herbei. "Herzlichen Glückwunsch, Milord, und Milady," sagten beide fast einstimmig. Felix winkte ungeduldig ab. "Bringt den Grafen in das beste Gästezimmer. Mein Leibarzt soll sich sofort um ihn kümmern, wie er sich um mich kümmern würde. Ist das klar?" Beide nickten und streckten dem Grafen die Hand entgegen. Mit einer Hand nahm er eine Hilfestellung an, wärend er sich mit der anderen, blutverschmierten, vom Sitz abdrückte. Mühsam kletterte er aus der Kutsche und wurde fortgetragen. Felix stieg als nächstes aus und offerierte Celine seine Hand. Celine nahm sie und war fast erschrocken, wie warm sie war. Sie selbst fröstelte. Sie merkte, wie Felix sie seltsam anstarrte. "Was ist?" fragte sie. Felix antwortete eine Zeitlang nichts und wirkte wie geistesabwesend, während er in ihre Augen blickte. Schließlich riß er sich los. "Komm, laß uns schlafen gehen," sagte er und zog sie durch die große Tür ins innere des Haupthauses.

---------------

Für seine Augen war es stockfinster, das wußte sie. Die schweren Vorhänge waren zugezogen und verbargen das Zimmerinnere vor dem neugierigen Mond. Dennoch sah sie alles wie in einem silbrigen Schein: die Plüschsessel, die Porträts an den Wänden. Auch Felix' Konterfei hing dort. Sie lag still da. Neben sich hörte sie Felix' Herz schlagen und seinen gezwungen ruhigen Atem. Sie spürte, wie er nach ihr verlangte. Celine schluckte. In ihren Plänen war die Heirat für sie eine offzielle, aseptische Sache gewesen. Nun, da sie neben dem ihr Angetrauten im Bett und die Hochzeitsnacht vor ihnen lag, war sie plötzlich unsicher. Zudem schlichen sich unweigerlich die Gedanken an die letzte Nacht wieder in ihr Bewußtsein. Eine rauhe Klaue griff nach ihr. Sie erstarrte. Eine Gestalt beugte sich über sie. Sie spürte ihren Atem auf ihrem Gesicht. Mit ganzer Kraft gab sich Celine einen mentalen Ruck und verjagte einmal mehr die garstigen Erinnerungen. Sie sah, daß Felix sich auf seine Ellenbogen gestützt über sie gebeugt hatte. Er atmete schwer und schob ein Bein an der Innenseite ihrer Oberschenkel immer höher. Celines Unsicherheit wandelte sich zu Abscheu. Am Vortag hatte sie es nicht geschafft, sich zur Wehr zu setzen. Das würde ihr nicht noch einmal passieren. Sie ergriff mit ihren Händen die Schultern des Mannes über ihr und stieß ihn zur Seite, von sich hinunter. Sie war erstaunt, wie leicht es war. Felix rollte mit so großem Schwung zur Seite, daß er noch eine weitere Drehung vollführte und von der Bettkante auf den Boden fiel. Der Teppich dämpfte seinen Sturz. Augenblicklich bereute sie ihre Reaktion. Felix stöhnte auf. Sie... roch seinen Schmerz, und wie er zu Wut umschlug. Sie setzte sich im Bett auf. Felix hielt sich die Schulter, als er sich aufrappelte. "Warum hast Du das getan?" fragte er mit bebendem Zorn in der Stimme. Seine wilden Augen blickten in die Finsternis, wo er sie vermutete. "Es tut mir leid," flüsterte sie. "Ich..." Er unterbrach sie abrupt. "Das ist doch die Höhe! Du bist meine Frau und hast mir als solche zu dienen!" Sie sah, wie sein Gesicht in der Dunkelheit rötlich leuchtete. Celine wußte, daß sie zu weit gegangen war. "Es tut mir leid," beteuerte sie erneut. Sie selbst hatte die Heirat gewollt... ihr zumindest stillschweigend zugestimmt... wie konnte sie dann jetzt vor dem ultimativen Vollzug der Eheschließung zurückschrecken? Felix stieg wieder ins Bett. "Für das sollte ich dich..." Sie legte ihm ihren Zeigefinger auf den Mund. "Es tut mir leid," flüsterte sie ein drittes Mal. Diesmal war sie es, die sich über ihn beugte. Tief in ihrem Innern nagte etwas an ihr, aber sie wollte nicht noch einmal versagen, und ignorierte es. Sie blickte Felix an. Ein feiner Schweißfilm hatte sich über seinen wohltrainierten Oberkörper gelegt. Sein blondes, lockiges Haar war völlig durcheinander. Sie sah, wie das Blut in seinem Hals pulsierte.

Das Magengrimmen traf sie härter als je zuvor. Diesmal schmerzte es regelrecht. Sie schloß die Augen. Sie sah rote Punkte vor ihrem inneren Auge tanzen. Nach einem Augenblick zwang sie sich mühsam, die Lider wieder zu öffnen. Felix lag mit verletztem Gesichtsausdruck bewegungslos unter ihr und wartete offensichtlich auf ihre Initiative. Sie ignorierte die roten Punkte, Schwindel und Magengrimmen und beugte sich zu ihm hinab. Die Stimme in ihrem Innern murrte noch immer. Sie entschloß sich zu einem behutsamen Anfang, einem Kuß. Sie umfaßte seine Oberarme und küßte ihn deutlich fester, als sie es in der Kirche getan hatte. Für einen Augenblick lang atmete sie nur seinen Atem, er nur ihren. Er stöhnte auf. Schließlich löste sie sich von ihm. Nur nebenbei nahm sie Notiz davon, daß er seinen Arm bewegen wollte, aber es nicht konnte, weil sie sich auf ihm abstützte. Sie blickte ihm ins Gesicht. Tränen standen ihm in den Augen. Sie war erstaunt. Ihr Blick wanderte tiefer und wurde von einem glühenden Rot angezogen. Felix blutete aus seiner Unterlippe. Fasziniert konnte sie ihren Blick nicht davon lösen. Dieses intensive Rot, dieser liebliche Geruch. Sie spürte, wie sie sich hinabbeugte und ihm mit der Zunge über den Mund fuhr. Niemals hatte sie etwas Deliziöseres geschmeckt. Es war aber nicht nur der Geschmack: Ein heißes Pochen erfüllte augenblicklich ihren Kopf, Wärme schoß durch ihren Körper und sie fühlte, wie sich ein unglaubliches Wohlgefühl über ihre Sinne legte. Sie setzte sich auf seinen Schoß und verhakte ihre Beine unter den seinen. Felix starrte wie hypnotisiert nach oben. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippe. Ihre Augen wurden wie magisch von der roten Lava angezogen, die nun ihren Weg über seine Wange und an seinem Hals hinab auf das Kissen gefunden hatte. Etwas an seinem Hals fing ihren Blick ein. Es war wieder das Pochen der Halsschlagader. Sie meinte, ein Leuchten unter der Haut zu erkennen. Fasziniert beugte sie sich näher heran, um besser sehen zu können. Mit einem Mal zuckte Felix heftig zusammen und versuchte, sie abzuschütteln, doch sie hatte ihn zu fest im Griff und keine Lust, ihn loszulassen. Dieses Pochen faszinierte sie zu sehr. Das Magengrimmen hatte sich zu einem unbeschreibbaren Hungergefühl entwickelt. Sie fuhr mit ihrer Zunge über seinen Hals. Ein wohliges Schütteln durchfuhr sie. Sie blickte noch einmal hin. Sein Hals pochte mit dem Versprechen heißer Wonne. Wie in Trance spürte sie, wie sie ihren Mund an seinen Hals legte. Als ob sie es schon tausend mal getan hätte, biß sie sanft zu. Sie war überrascht, wie leicht es ging - mit einem Mal ergoß sich der köstliche Saft in ihren Mund. Begierig sog sie den heißen Strom auf und gab acht, daß auch kein Tropfen verlorenging. Je mehr sie sog, desto schlaffer und wenig zielstrebend wurden Felix' aussichtslose Befreiungsversuche. Das Pochen in ihrem Kopf wurde auch immer weniger, bis es ganz verstummte. Irgend etwas sagte ihr, daß sie jetzt aufhören müsse. Das süße Blut fing an, schal zu schmecken. Sie löste sich von ihrem toten Ehemann. Als sie sich langsam aufrichtete, merkte sie, daß sie ganz außer Atem war. Sie strich sich das Haar hinter ein Ohr zurück, das ihr eben ins Gesicht gefallen war, und blickte auf Felix hinab. Nun schien er fast friedlich zu schlafen, wenn nicht die Blutspuren auf Kopfkissen und Laken gewesen wären... und die Augen, die leblos die Decke anstarrten. Die Blutspuren zeugten davon, daß seine Gegenwehr stärker gewesen war, als sie gedacht hatte. Doch diese leblosen Augen...

Die Erkenntnis traf Celine wie ein Hammerschlag in die Magengrube. Die Ekstase, die sie eben noch erlebt hatte, wandelte sich in Schrecken und Entsetzen. Sie schrie auf und übergab sich gleichzeitig. Wie in Zeitlupe sah sie, wie sich die blutige Lache über das Laken ergoß und ihren Weg unter den Toten und zu ihrem Knie neben seiner Taille fand. Sie sprang auf, um nicht damit in Berührung zu kommen, als ob sie ihre Tat damit ungeschehen machen könnte. Sie hörte schnelle Fußschritte auf dem Korridor. Sie verknotete die Finger und drückte sie sich in die Magengrube, doch das minderte ihren Schrecken nicht im Geringsten. Die Tür flog auf und die Wache, die den Grafen de Beautemps in die Kutsche gehievt hatte, stürzte mit gezogener Klinge durch die Tür. Vom Korridor schien Kerzenschein in das Zimmer, der Celine fast blendete. Die Wache sah Celine jenseits des Bettes stehen. "Was ist los? Geht es Euch gut, Milady?" Als Celine nicht antwortete, richteten sich die Augen des Mannes auf das Bett. Sofort sah er die Unmengen von Blut. Seine Augen schnappten wieder zu Celine auf, und das Schwert, das auf den Boden gesunken war, richtete sich auf sie. "Du Ausgeburt..." Trotz ihrer Verzweiflung wußte Celine, daß sie dort nicht verharren konnte. Sie zwang sich, ihre Gefühle beiseite zu schieben - vorerst. Am Ende des Ganges würden noch andere Wachen warten - zu riskant. Sie entschloß sich für das Fenster. Mit einer Hand riß sie den Vorhang herunter. Die Gardinenstange löste sich mit und verfehlte ihren Kopf nur knapp. Die andere Hand rüttelte an dem Griff des Rolladens, doch er bewegte sich nicht. Celine blickte über ihre Schulter. Die Wache hatte das Bett umrundet und näherte sich ihr mit erhobenem Schwert. Mit aller Kraft trat Celine gegen die verstärkten Balken des Rolladens. Er bot weniger Widerstand als erwartet und löste sich auf der rechten Seite ganz aus den Scharnieren. Ohne lange zu überlegen sprang Celine durch die entstandene Öffnung. Ihr Bein schlug auf dem Fenstersims auf und sie verspürte einen stechenden Schmerz. Sie landete auf allen Vieren. Drei Stockwerke über sich hörte sie die Wache Alarm schlagen. Sie rappelte sich auf und rannte über den Platz. Die Türen der Wachhäuschen neben dem Tor flogen auf und bewaffnete Männer, alarmiert von der Wache im Haupthaus, stürmten heraus. Celine ging in eine Halbhocke und blickte sich gehetzt nach einer Ausflucht um. Das Schloß war überall von hohen Mauern umgeben, auf deren Zinnen in regelmäßigen Abständen Fackeln brannten. Der erste Mann war nur noch wenige Schritte von ihr entfernt. Sie entschied sich für die einzige Möglichkeit, die auch nur eine geringe Erfolgschance aufwies. Celine schlug einen Haken um den Mann, der mit voller Wucht auf seinem bisherigen Pfad an ihr vorbeistolperte. Sie steuerte auf ein Wachhäuschen zu. Zwei Männer versuchten, ihr den Weg abzuschneiden. Sie rannte genau auf einen zu, wich seinem mächtigen, aber langsamen Schwerthieb aus und hämmerte ihm ihren Handballen ins Gesicht. Im Vorbeirennen sah sie, wie sein Kopf nach hinten schlug. Ein ekliges Knacken und ein Röcheln war das letzte Geräusch, das der Mann in seinem Leben von sich gab. Ohne zu zögern nahm Celine Anlauf und sprang. Sie hatte erwartet, sich an dem Dach hochziehen zu müssen, doch mit erstaunlicher Leichtigkeit landete sie direkt darauf. Ein weiterer Satz, und sie hatte die Zinnen der mächtigen Burgmauer erreicht. Sie hörte es in der Luft sirren. Sie sah eine Bewegung in der Luft. Pfeile! Blitzschnell rollte sie sich ab und die Zinnen hinab. Es war ein tiefer Fall, doch wie zuvor landete sie auf allen Vieren. Sie hörte, wie hinter dem geschlossenen Tor das Chaos ausbrach. Schon zogen Männer daran, um es zu öffnen. Ohne sich umzudrehen, floh Celine in die Tiefen des Waldes.

In der Finsternis hatten die Männer keine Chance, ihr zu folgen.


Zuletzt bearbeitet von Luzifer am 25.06.2004, 16:58, insgesamt 10-mal bearbeitet
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Luzifer
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BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 22:34 Antworten mit ZitatNach oben

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Nuvoin
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BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 22:45 Antworten mit ZitatNach oben

Wow, du kannst sehr gut beschreiben. Echt klasse bis jetzt. Winken
Zwar hat man von der Hauptstory wohl noch nicht ganz so viel mitbekommen, aber der Anfang gefällt mir schonmal. :top:

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BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 23:10 Antworten mit ZitatNach oben

Deswegen kommen ja noch ~4 Teile... danke für die Blumen. Hoffe, daß die Hauptstory, die jetzt natürlich nach der Einführung losgeht, auch entsprechend spannend wird. Habe da so einige Ideen, kann mich bloß zwischen ihnen nicht wirklich entscheiden Sehr glücklich
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Nuvoin
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BeitragVerfasst am: 22.05.2004, 23:20 Antworten mit ZitatNach oben

Kannst gerne mich fragen, aber das würde mir dann wieder den Spaß beim Lesen nehmen. Winken

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BeitragVerfasst am: 24.05.2004, 16:17 Antworten mit ZitatNach oben

Kenn ich das nicht schon?
Also ich bin sehr optimistisch in das Fortfahren der Geschichte... bin mal sehr gespannt!

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Luzifer
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BeitragVerfasst am: 26.05.2004, 13:18 Antworten mit ZitatNach oben

Update: Teil 2.

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"Wir müssen alle dulden und manche widerstehn - vergeblich, sagen die Seraphim; doch werth ist's des Versuches, weil's ohne ihn nicht besser wird. Im Geist liegt eine Weisheit, die zum Rechten führt, wie in dem blauen Dämmer euer Auge, Ihr jungen Sterblichen, mit Eins den Stern erfaßt, der wacht, den Morgen zu begrüßen." - Luzifer (Lord Byron: "Cain")

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Nuvoin
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BeitragVerfasst am: 26.05.2004, 13:45 Antworten mit ZitatNach oben

Wow, echt super geschrieben. Bin richtig begeistert.

Und ich hoffe du weißt, was du jetzt zu tun hast? Weiter schreiben! Auf, hop hop. Mr. Green Will wissen wies weiter geht. Winken

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BeitragVerfasst am: 05.06.2004, 10:03 Antworten mit ZitatNach oben

Update, Teil 3 - s.o. Smilie

Irgendwann werde ich mal die ersten Posts zusammenfassen, sonst komme ich mit dem Platz nicht aus. Jedenfalls sieht es im Moment danach aus, als ob ich den Titel ändern müßte - wird wohl eher eine Novelle denn eine Kurzgeschichte. Naja. Was soll's.

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Nuvoin
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BeitragVerfasst am: 05.06.2004, 12:12 Antworten mit ZitatNach oben

Wieder der gewohnte hohe Standard. Winken
Gefällt mir, bin ja mal gespannt, was nun geschieht, da sie auch ein Vampir ist.
Freue mich schon auf den nächsten Teil. Smilie

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Luzifer
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BeitragVerfasst am: 23.06.2004, 22:38 Antworten mit ZitatNach oben

Mal ein etwas größeres Update. Smilie (danke für den Anstoß, Nuvoin Smilie )

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Nuvoin
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BeitragVerfasst am: 24.06.2004, 22:00 Antworten mit ZitatNach oben

Kein Problem. Winken

Oha, das wird ja jetzt spannend. An wem wird sie ihren Durst stillen?
Ich finde du hast es super beschrieben. Du bist sehr gut auf die Details eingegangen.
Aber eins ist mir aufgefallen:
Zitat:
Er hörte es neben sich rascheln. Celine wurde von ihrem Vater am Arm zu den Stufen geführt.

Rascheln finde ich ein wenig unpassend. Vielleicht könntest du es ja ersetzen. Oder du schreibst, er hört das Geflüster der Leute, die über Celine redeten. Natürlich noch etwas ausgeschmückter. Winken

Ansonsten bin ich begeistert und freue mich schon wies weiter geht. Smilie

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Luzifer
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BeitragVerfasst am: 25.06.2004, 16:36 Antworten mit ZitatNach oben

So, weiteres Update. Celine lernt sich selbst kennen Winken

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